Die Zahlen zum Einkaufstourismus sind beeindruckend: 2014 war ein Rekordjahr, im ersten Quartal 2015 folgt nochmals eine 25-prozentige Steigerung. Der Aufschrei des lokalen Gewerbes wird garantiert folgen. Doch es sind nicht die Menschen aus der Region, die für diese Explosion verantwortlich sind. Es ist also auch nicht primär unser Gewerbe, das leidet, es ist jenes am Herkunftsort der neuen Einkaufstouristen.

Unsere Grosseltern und Eltern lebten das Dreiland schon als Region, fuhren nach Lörrach auf den Markt oder nach Huningue in eine Baiz. Wir gehen nicht plötzlich viel öfter «dääne» einkaufen, als wir das bisher taten; oder zumindest nicht in diesem Ausmass. Wir leben diese Region bewusst und – hoffentlich – mit Vernunft. Nein, der schwache Euro lockt vielmehr Berner, Zürcher und Innerschweizer in unsere deutschen und französischen Nachbargemeinden. Menschen, für die sich dieser Weg bisher nicht lohnte. Das ist das Neue an der Situation. Und das bringt neue Probleme mit sich, wenn beispielsweise der Verkehr jeden Samstag weitherum zusammenbricht. Darunter leiden wiederum die Bewohner der Region.

Gefährlich ist diese Entwicklung aber vor allem wegen der Gegenbewegung: Wenn nun Politiker aus der ganzen Schweiz ohne Verständnis für unser Leben im Dreiland neue Zollschranken fordern oder andere Hüftschüsse gegen den Einkaufstourismus abfeuern, dann bedroht das unsere eingespielte trinationale Lebensweise hier weit mehr, als der gelegentliche Ausflug nach Weil die lokale Wirtschaft gefährdet.