Bei den Nationalratswahlen kommt es oft auf jede Stimme an. So geschehen 2011, als Mitte-Kandidat Peter H. Müller (BDP) um ein Haar der FDP mit Daniela Schneeberger den Sitz weggeschnappt hätte. Daher erstaunt es nicht, dass CVP, GLP und BDP nun kurz davor stehen, auch noch die Kleinstpartei der Grünen-Unabhängigen (GU) in ihre Listenverbindung aufzunehmen. Die GU locken denn auch mit einer optimistischen Prognose, dass es zu viert zu einem zweiten Nationalratssitz reichen könnte.

Dieser Fall wird allerdings nicht eintreffen. Die Verbindung von CVP, GLP und BDP genügt zwar locker, um den Sitz von CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter zu sichern. Doch von einem zweiten Sitz ist die Mitte meilenweit entfernt – selbst wenn die CVP dank ihrer starken Liste etwas zulegen oder die BDP ihren Abwärtstrend stoppen kann. Da genügen die Stimmen der neu gegründeten Grünen-Unabhängigen schlicht nicht, um beim Restmandat die Lücke zum starken Duo SVP/FDP zu schliessen.

Dass die GU ihre Berechnungen eher zu ihren Gunsten auslegen, ist legitim. Auch gegen die Listenverbindung an sich spricht wenig – inhaltliche Differenzen gibt es auch bei anderen Paarungen. Doch es gibt eine Grenze zwischen Optimismus und reiner Utopie. Läuft im Herbst im politischen Baselbiet nicht einiges aus dem Ruder, dann geht der begehrte siebte Sitz an die Rechts-Bürgerlichen – am ehesten an die FDP. Und wenn nicht, dann sind die Chancen der Grünen mit Maya Graf höher einzustufen als die der Mitte.