Seit Dienstag brodelt es in Basel wieder einmal in den Seelen der Bürokratieopfer. Der böse Stadt-Kanton hat der Christoph Merian Stiftung (CMS) so viele Auflagen gemacht, dass diese die Arealplanung für das Dreispitzareal wutentbrannt an den Nagel gehängt hat. So verbreitet es die «Basler Zeitung» und findet auch einige Politiker, die sich über den herrschenden Behördenwahnsinn und die Regulierungswut der Kantonsangestellten aufregen. Eine Riesenneuigkeit, über die die bz aus unerfindlichen Gründen nicht berichtet hat.

Nun, es sind zwei Gründe, warum wir nicht berichtet haben. Erstens: Neu ist hier gar nichts – das Bau- und Verkehrsdepartement und die CMS haben am 16. Dezember 2014 gemeinsam kommuniziert, dass man sich darauf geeinigt habe, nicht mehr eine Gesamtplanung anzustreben, sondern das Dreispitzareal schrittweise zu entwickeln. Übrigens zusammen mit der Gemeinde Münchenstein und der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft, die nun nicht gerade im Verdacht steht, ein Hort der Ultralinken zu sein.

Zweitens: Der ganze Rest der Geschichte ist schlicht und einfach nicht wahr. Die CMS und der Kanton erklären übereinstimmend, sie hätten keinen Streit. So weit kam es gar nie. Beide wollten eine Gesamtarealplanung. Und bei den genaueren Abklärungen kam die CMS zum Schluss, eine solche sei erstens nicht wirtschaftlich und zweitens zu kompliziert. Aber nicht etwa, weil der «BaZ» liebster Sündenbock, der Basler SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels, seine Regulierungshunde von der Kette gelassen hatte. Sondern, weil eine Planung, die ein Gebiet in zwei Kantonen und zwei Gemeinden betrifft, äusserst aufwendig und kompliziert ist, da sich die Vorschriften teilweise widersprechen. Zu diesem Schluss kamen die vier Planungspartner. Gemeinsam.

Garniert wird die Geschichte mit einigen Müsterchen. So soll beispielsweise die Stadtgärtnerei Gewerbetreibenden Vorschriften zu Rabattenlängen auf dem Dreispitzareal gemacht haben. Nun: Erstens kann sich dort niemand an eine solche Anfrage erinnern. Zweitens gibt es auf dem Dreispitzareal kaum Rabatten und drittens wäre die Stadtgärtnerei für diese Phantomrabatten nicht zuständig, da das Gelände der CMS gehört und diese somit auch für die Rabatten zuständig wäre, so es sie denn gäbe.

Dass die «BaZ», die eine klare Anti-Staat-, Anti-Behörden- und vor allem Anti-Wessels-Linie verfolgt, diese Geschichte, die sie wohl leicht verspätet am Bauforum vergangenen Montag aufgeschnappt hat, derart verdreht, ist peinlich. Aber irgendwie noch verständlich. Dass aber eine Reihe von Grossräten zum ersten Mal vom Scheitern einer gesamthaften Arealplanung hört – sechs Monate, nachdem diese kommuniziert wurde –, ist eher bedenklich. Reflexartig werden hier die alten Platten aufgelegt und jeder reitet nach Leibeskräften sein Steckenpferd, von den Parkplätzen bis zur Verdrängung des Gewerbes. Auf einem der wichtigsten Areale der Stadtentwicklung hat sich etwas Wichtiges ereignet, es wurde kommuniziert und ein halbes Jahr später merken das Grossräte wie René Brigger (SP), Andreas Zappalà (FDP) und Roland Lindner (SVP), die nun beileibe nicht als Hinterbänkler bezeichnet werden können. Dazu gesellt sich Gewerbedirektor Gabriel Barell, der von einer «Piranhapolitik» schwadroniert, was auch immer das nun wieder sein soll. Das ist sehr bedenklich. Ebenso wie das muntere Drauflosballern aus der Hüfte – offensichtlich ohne die geringste Ahnung, was eigentlich vor sich ging, respektive, warum man eigentlich genau abdrückt.

Und nun noch ein paar Worte in eigener Sache. Nein, dem Drechsler macht es nicht einfach Spass, auf der Konkurrenz herumzuhacken. Ich bin nicht Journalist geworden, um die Unzulänglichkeiten und Fehler meiner Kollegen anzuprangern. Sonst hätte ich hier eine Kolumne namens «Der Entenjäger», in der ich auch hin und wieder Opfer meiner selbst werden müsste. Aber wenn auf derart plumpe Weise mit alten Informationen und falschen Aussagen Politik statt Journalismus betrieben wird, dann muss das nicht nur bemerkt, sondern ab und an auch geschrieben werden. Denn dass falsche Informationen verbreitet werden, ist das eine. Dass dies mit einer klaren politischen Absicht geschieht, ist wesentlich besorgniserregender.