Der Baselbieter Kantonshauptort sei ein Islamisten-Hotspot, sagt der Basler Kriegsreporter Kurt Pelda. Liestals Stadtpräsident Lukas Ott hält dagegen: Da werde etwas hochgekocht, das so nicht der Realität entspreche. Wem sollen wir glauben? Vermutlich haben sowohl der IS-Experte als auch der Behördenvertreter recht. Das Ganze ist eine Frage der Perspektive. Der relativierende Einwand des Stadtpräsidenten ist wichtig: Geradezu lächerlich wirkt der Gedanke, dass in Liestal Institutionen von Islamisten infiltriert wären oder diese Quartiere terrorisieren würden. Gemessen an anderen Gefahren ist jene, die im Alltag der Baselbieter von extremistischen Einzelmasken ausgeht, sehr klein.

Dennoch hat die provokative Aussage zum Islamisten-Hotspot ihre Berechtigung. Sie ermuntert uns dazu, unser Bild zu schärfen und eine Haltung einzunehmen. Pelda kritisiert, dass in Europa die Bedrohung durch den IS in einem weltpolitischen Kontext unterschätzt werde. Gleichzeitig herrschen in weiten Teilen der Bevölkerung diffuse Ängste gegenüber «Fremdem», und damit auch gegenüber unbescholtenen Muslimen vor. Ein Widerspruch.

Dieser Widerspruch lässt sich lösen, indem wir auf nüchterne Fakten anstatt auf vorgefasste Meinungen bauen. Die Faktenlage in Bezug auf den Islam und Extremisten ist klar: 99 Prozent der Muslime sind, wie du und ich, friedliche Zeitgenossen. Daneben leben aber – mitten unter uns – einige wenige gefährliche Extremisten. Fernab einer falsch verstandenen Toleranz ist es unsere Pflicht, hier hin- statt wegzuschauen.