Welche Chance – welche Freude! Direktor des Kunstmuseums Basel zu werden, ist ab 2016 interessanter denn je. Im Frühling wird der 100-Millionen-Neubau eröffnet. Der ehrwürdige Hauptbau von 1936 wird ganz für die öffentliche Kunstsammlung genutzt, der luftigere Neubau vor allem für Sonderausstellungen. Mehr Platz, mehr Prestige, mehr Möglichkeiten. Aber auch mehr Kosten, mehr Erwartungen kommen auf den neuen Museumsdirektor zu. Drittgelder müssen kräftiger fliessen, Publikum muss stärker strömen. Welche Verantwortung, welcher Druck also auch!

Dem frisch gewählten Basler Kunstmuseumsdirektor in spe, Josef Helfenstein, traut man zu, dem Druck standzuhalten und die hohen Erwartungen zu erfüllen. Mit seinem fundierten Wissen, seiner ernsthaften Art, seiner klaren Haltung. Josef Helfenstein ist ein Mensch, dem man instinktiv vertraut, schon bei der ersten Begegnung. Offenbar geht es vielen so. Anders lässt sich nicht erklären, wie er neben den Besucherzahlen auch die Drittmittel für seine jetzige Wirkungsstätte, die Menil Collection in Houston, derart stark steigern konnte.

Dabei ist Geld nicht das, was ihn interessiert. Auch das machte er an der gestrigen Medienkonferenz sehr glaubhaft klar. Ihm geht es um die Liebe zur Kunst und darum, diese vielen Menschen in hoher Qualität zu vermitteln. Relevant müsse Kunst sein, sich mit aktuellen Problemen auseinandersetzen. «Kunst ist ein Ausdruck wichtigster menschlicher Anliegen». Sonst sehe er in ihr keinen Sinn. «Experiments with Truth: Gandhi and Images of Nonviolence» heisst seine letzte selbst kuratierte Ausstellung. Helfenstein geht es um die Wahrhaftigkeit in der Kunst und um Humanismus in der Gesellschaft. Dafür ist er in der oft so genannten Humanistenstadt am richtigen Ort. Hoffentlich.