Das Schweizer Asylwesen braucht Reformen. Die Asylbewerber haben ein Recht darauf zu erfahren, ob sie hier aufgenommen werden. Heute lässt man sie Monate, oft Jahre im Dunkeln tappen. Und auch wir Schweizer dürfen uns nicht schämen, Menschen so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat zu schicken, wenn ihnen kein Asylrecht zusteht.

Wir Bürger applaudieren jetzt über die Pläne, die Asylfälle in grossen Bundeszentren abzuwickeln. Doch droht der Applaus zu ersticken, wenn wir plötzlich erfahren, dass wir ein solches Zentrum in der Nachbarschaft haben sollen. Selbst im weltoffenen Arlesheim lehnte die Bevölkerung vor vier Jahren ein Durchgangszentrum für Asylbewerber ab. Und in der Aargauer Gemeinde Aarburg wurden gar Grillpartys gegen die Einquartierung von Asylbewerbern in Wohnungen durchgeführt.

Von weitem wirken solche Proteste zynisch. Man kann doch keine Menschen abweisen, die in ihrer Heimat verfolgt werden. Schnell durchzieht aber ein mulmiges Gefühl unsere liberale Grundhaltung, wenn die Asylbewerber in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnen sollen – über Aarburg und Arlesheim sollten wir deshalb nicht urteilen.

Trotzdem sollten wir uns nicht vom Bauchgefühl, sondern von den Argumenten leiten lassen. Ein grosses Bundeszentrum hat, so die Erfahrungen beim Pilotprojekt in Zürich, keine höhere Kriminalitätsrate zur Folge. Der Bau bringt zudem Bauaufträge und Arbeitsplätze. Gerade im wirtschaftlich angeschlagenen Waldenburgertal Grund genug, über den eigenen Schatten zu springen.