Dadurch wird die Ratspräsidentschaft der 64-jährigen Oberbaselbieterin nicht automatisch zur Erfolgsgeschichte. Bemerkenswert ist die Nomination dennoch, und das in zweierlei Hinsicht: Bemerkenswert erstens ist das Bestreben der SVP, nach dem Fall Gaugler – der für die Partei zum Fiasko in Sachen Kommunikation und Krisenmanagement geriet – nun alles richtig zu machen. Aus der Partei, die sonst gerne den Holzhammer schwingt, dringen plötzlich besonnene Töne. Das tut – fernab jeglicher Schadenfreude – wohl.

Bemerkenswert ist zweitens die Berücksichtigung einer SVP-Vertreterin, die «nicht polarisiert», wie Fraktionschef Dominik Straumann gestern nicht müde wurde zu betonen. Es scheint fast, als würden die Geschehnisse der letzten Wochen den moderaten Kräften in einer zunehmend radikalisierten Partei neuen Auftrieb geben. Gewiss: Die anderen Parteien sitzen derzeit am längeren Hebel und hätten nach Gauglers misslungener Präsidentschaft einen missliebigen SVP-Hardliner leicht blockieren können. Für sie spricht, dass sie den politischen Gegner in den turbulenten Wochen nicht mit Häme übergossen haben.

Das sind ermutigende Zeichen für die Politkultur in einem Parlament, das in der ablaufenden Legislatur zu oft mit Amtsgeheimnisverletzungen, Fraktionsausschlüssen und Gehässigkeiten für Negativschlagzeilen gesorgt hat.