Der Leuenberg hat als reformiertes Tagungszentrum mit Hotelbetrieb ausgedient. Deshalb sucht der Trägerverein seit längerem und bisher erfolglos nach einer alternativen Nutzung. Auf der anderen Seite sucht der Bund mithilfe der Kantone nach möglichen regionalen Asylzentren. Eruiert hat er bisher in der Nordwestschweiz als einzigen konkreten Standort die zerfallende Holdenweid bei Hölstein, bei der Investitionen in Millionenhöhe nötig wären.

Eigentlich erstaunlich, dass sich Bund und Leuenberg-Verein bei ihrer jeweiligen Suche bisher noch nicht begegnet sind. Denn ein Asylzentrum auf dem Leuenberg drängt sich geradezu auf: Die zahlreichen Gebäude, die bei Bedarf nach Ethnien unterteilbar wären, sind in gutem baulichem Zustand; die Infrastruktur mit Grossküche und Schlafstätten ist vorhanden; die weilerähnliche Siedlung liegt weitab aller Störungen und fast 100 Höhenmeter über sowie einen halbstündigen Fussweg entfernt von Hölstein. Und die Baselbieter Reformierten könnten sich freuen, wenn ihr einstiges geistiges Zentrum, in dem so manche Aufbruchsidee geboren wurde, zum Hort wird, in dem Flüchtlinge ihre Gedanken wieder etwas bündeln können.

Und selbst für die Regierungsratskandidatin und Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monica Gschwind kann die seriöse Prüfung des Leuenbergs als Asylzentrum eine grosse Chance sein: Sie und ihr Gemeinderatsteam könnten das Bild einer unsolidarischen, kalten, oberflächlichen und voreiligen Behörde revidieren, das sie sich mit ihren teils abstrusen Argumenten erworben haben, wieso ein Asylzentrum auf der Holdenweid undenkbar sei. Vielleicht hilft ihnen dabei, dass der Leuenberg in der Tat der bessere Standort ist.