Wenn ich mit offenen Augen zu Fuss durch die Stadt gehe oder mit meiner Vespa durch die noch befahrbaren Strassen fahre, stelle ich fest, dass irgendwas abhandengekommen ist. Nämlich der Respekt.

Respekt gegenüber Mitmenschen, seien es ältere Leute oder Personen des öffentlichen Lebens, wie Polizisten, Lehrerinnen und Lehrer, Zugbegleiter und so weiter. Haben Sie sich auch schon gewundert, wie «schnauzig» gewisse Mitbürger miteinander umgehen. Da werden schon mal gestandene Personen aufs Übelste beschimpft aus einer Laune heraus? Oder doch bewusst, weil man ja selber fehlerlos ist und permanent beim anderen Fehler sucht und findet?

War denn früher alles besser? Diese Frage haben wir schon längst beantwortet, denn es war nicht alles besser, aber vieles anders. Auch der Respekt gegenüber sogenannten Respektspersonen was früher ein sicherer Bestandteil in unserer Gesellschaft, einer funktionierenden Kommune. Ein Teil des Schweizer Erfolgsrezeptes, ein harmonisches Zusammenleben geprägt von gegenseitiger Akzeptanz. Ein Pfarrer war damals eine Respektsperson wie eine Lehrerin oder ein Lehrer – man glaubte ihnen, ihren Vorgaben in pädagogischer Hinsicht, wie auch sehr oft jenen, welche mit Disziplin verbunden waren.

Erinnern Sie sich noch, als man in die Strafklasse musste am Mittwochnachmittag, wenn man sich im Strassenverkehr nicht korrekt verhalten hatte? Damals wartete noch der bekannte Basler «Schugger» Willi Lutz, an exponierten Stellen mit seinem BMW-Motorrad und wenn man als junger Schnösel die Scheibenbremsen quietschen hörte, wusste man: Die Strafklasse naht, man hatte was falsch gemacht im Strassenverkehr. Heute sieht das ganz anders aus – kein «fliegender» Willi Lutz ist mehr zugegen um die stattliche Zahl der Unverbesserlichen auf die Regeln aufmerksam zu machen. Da machen nun unzählige von Velofahrenden im Strassenverkehr was sie wollen, ein Rotlicht interessiert nicht mehr und das Trottoir ist die beste Fahrbahn für Zweiräder, ungeachtet der Risiken für ältere Mitmenschen, Behinderte oder Kinder, die sich nicht so sicher fühlen. Wo bleibt der Respekt gegenüber diesen gesetzlichen Vorschriften, dass das Trottoir den Fussgängern gehört und man sich dort ohne Gefahr bewegen kann?

Es ist ein Jammer, dass der Respekt gegenüber Gesetzen und Personen abgeblieben ist. Jedes Jahr werden in Bern und den Kantonen eine Unzahl von Gesetzen eingeführt oder bestehende verschärft. Für was eigentlich, wenn man sich nicht daran hält und die Basler Polizei wegschaut oder schlicht zu wenig Personal hat um die Gesetze – zum Beispiel gegenüber unverbesserlichen Velofahrern – konsequent durchzusetzen.

Das Gesetz betreffend das Vermummungsverbot ist ein super Beispiel – es wurde noch nie durchgesetzt und besteht seit Anfang der neunziger Jahre. Wir werden es bald wieder erleben, wenn die Basler Polizei Vermummte durch die Basler Innenstadt eskortiert und zuschaut, wie randaliert wird und Sachschäden begangen werden. Solche Probleme kann man in den Griff bekommen, wenn man auf den altgedienten Respekt zurückgreift, den konsequent wieder einführt und auch allen zugezogenen Mitbewohnern vermittelt.

Respekt ist eine Sache der Erziehung und beginnt zu Hause im Kern der Familie. Wie wäre es mit weniger Lehrplan 21 und weniger Gesetzen – dafür mit dem wieder auflebenden Respekt als Hauptfach? Respekt gegenüber fremdem Eigentum, sei es privates oder öffentliches, akzeptieren was Menschen hergestellt und erarbeitet haben und nicht einfach zerstören aus einer Laune heraus. Oder eben das Trottoir denen überlassen, die es brauchen.

Respekt kostet nichts, ist erlernbar und wäre eine Kampagne wert – zurück zu den guten Sachen der früheren Zeiten. «Willkommen in der Stadt, wo man sich mit Respekt begegnet und dies spüren kann!»