Nur knapp zwei Wochen nach dem sofortigen Rücktritt von Parteichefin Pia Fankhauser präsentiert die Geschäftsleitung der Baselbieter SP ein neues Führungsduo: Adil Koller (21) und Regula Meschberger (62) sollen die Partei in die nationalen Wahlen vom Herbst führen. Abschliessend entscheiden werden die Delegierten am 18. April; doch es gilt als sicher, dass sie die Wahl absegnen. 

Was bedeutet nun der Wechsel an der Spitze der SP, die bei den kantonalen Wahlen vom 8. Februar eine historische Schlappe erlitten hat und erstmals seit 1925 nicht mehr in der Regierung vertreten sein wird? Dass mit dem Münchensteiner Wirtschafts- und Soziologiestudenten Adil Koller ein Jungpolitiker in die Parteileitung eingebunden wird, ist folgerichtig. Koller ist der smarte Vordenker einer neuen SP-Generation, die es nicht bei Kritik an den Altstars belässt, sondern gewillt scheint, die Zukunft der Partei mitzugestalten. Den Juso und Koller mangelt es weder an frischen Ideen noch am Selbstbewusstsein. 

Koller wirkt zwar für sein Alter erstaunlich abgeklärt, hat aber etwas gar wenig Erfahrung, um die zweitgrösste Baselbieter Partei im Alleingang zu führen. Auch verfügt er (noch) nicht über einen Sitz im Landrat, was für die Arbeit eines jeden Kantonalparteipräsidenten von Vorteil wäre. In dieser Situation hat die Geschäftsleitung die ideale Ergänzung zu Hoffnungsträger Koller gesucht – und diese in der Person von Regula Meschberger gefunden. Auch diese Wahl wirkt logisch: Meschberger wird den Schwung und Tatendrang Kollers in die richtigen Bahnen zu lenken wissen. 

Nur wenige Politikerinnen des Landkantons verfügen über den Erfahrungsschatz der Birsfelder Juristin, Schulleiterin, Gemeinderätin und langjährigen Landrätin (seit 2003). Meschberger ist in der Baselbieter SP, die sie zwischen 2005 und 2008 selbst präsidiert hat, die allseits respektierte Grande Dame. Eine unermüdliche Schafferin mit hoher Glaubwürdigkeit. Eine allerdings, die nach eigenen Angaben in absehbarer Zeit kürzertreten will. Das Tandem Koller/Meschberger ist offensichtlich eine provisorische Lösung. 

Der Wechsel im Präsidium der Baselbieter SP bedeutet auch keinen Neuanfang. Nennen wir es einen zaghaften Aufbruch. Zaghaft deshalb, weil man die Vizepräsidenten Christoph Hänggi und Regula Nebiker vorerst unangetastet lässt. Die beiden haben in der Partei einen schwierigen Stand: Der Therwiler Landrat Hänggi steht in der Kritik, die Partei während der krankheitsbedingten Abwesenheit von Präsidentin Fankhauser nicht gerade dynamisch – manche meinen halbherzig – geführt zu haben. Dies mitten in der heissen Phase des Wahlkampfs. Und der Liestaler Stadträtin Regula Nebiker nehmen in der SP einige übel, dass sie als Regierungskandidatin medienwirksam Distanz zur Bildungspolitik des abtretenden SP-Regierungsrats Urs Wüthrich markiert hat. Dass Hänggi und Nebiker die Parteileitung auch in Zukunft ergänzen sollen, hat weniger mit der Tatsache zu tun, dass sie 2014 für zwei Jahre gewählt wurden, als vielmehr mit dem Wunsch vieler Genossen nach Stabilität und innerparteilicher Harmonie. Die SP will – so lesen wir aus der Medienmitteilung von gestern Montag – im Frühling 2016 eine personelle Standortbestimmung vornehmen. 

Nach dem schwierigen 8. Februar scheint derzeit die oberste Maxime bei der SP zu sein, mit einer Einbindung sämtlicher relevanter Strömungen sowie Kompromissen in der Personalpolitik den Burgfrieden zu wahren. Ob sich diese Strategie auszahlt, werden wir am 18. Oktober erfahren. Dann wählt das Baselbieter Volk seine acht Vertreter in Bundesbern. Darunter sind aktuell mit den beiden Nationalräten Susanne Leutenegger Oberholzer und Eric Nussbaumer sowie mit Ständerat Claude Janiak drei SP-Politiker.