Einer der wichtigsten Eckpfeiler des Zusammenlebens ist das Rücksichtnehmen auf die Bedürfnisse der Anderen. Das gilt auch oder gerade im Besonderen für das Zusammenleben in einer Stadt. Der gemeinsame Nenner dabei dürfte sein, dass ebenso Platz sein muss für Partys wie für einen erholsamen Schlaf. Gestritten wird höchstens darüber, wann das eine enden soll und ab wann das andere beginnen kann.

Ein aktuelles Beispiel, das dieser gegenseitigen Rücksichtnahme gerecht wird, ist die Bewilligung für den Rheingasse-Boulevard. Die Wirte sind bei der Gesuchstellung von ihrer ursprünglichen Forderung mit Öffnungszeiten an Wochentagen bis 23 Uhr aus Rücksichtnahme auf die Anwohner abgekommen – in der Hoffnung, dass das Gesuch bis 22 Uhr bewilligt wird. 

Das Vorgehen der Tattoo-Organisatoren hingegen spricht eine andere Sprache. Nach Problemen mit Feuerwerk, dem Überflug einer alten und einer Formation neuerer Propellermaschinen soll nun die Kampfjet-Staffel Patrouille Suisse zweimal über die Stadt und die Tattoo-Arena donnern. Für die städtische Toleranz ist dies gewissermassen ein «Stresstest».

Da sind auf der einen Seite die jährlich über 100'000 Tattoo-Besucher, denen die Organisatoren verständlicherweise Jahr für Jahr ein noch grösseres Spektakel bieten möchten. Und auf der anderen Seite die Anwohner, die bereits in vergangenen Jahren immer wieder für ihre Rechte gekämpft haben. In diesem Umfeld sind Kampfflugzeuge über der Stadt ein Garant für den Showdown in einer Frage, für die es genügend andere und wichtigere Anlässe gäbe, um sie zu diskutieren.