Jetzt stellen Sie sich vor, es kommt ein kaugummikauender Jüngling in Turnschuhen rein und fragt den Massanzug nach einem Gameboy. Etwa so fühlen Sie sich, wenn Sie sich an der Baselworld nach einer Smartwatch erkundigen.

Bling Bling, nicht Tick Tack

Seit Apple ihre Apple Watch angekündigt hat, sind die Medien voll von Berichten, dass das Silicon Valley demnächst den Jura übernimmt und die Schweizer Uhrenindustrie kolonialisiert. Die Baselworld lehrt Besucher eines Besseren. Da geht es nämlich nicht um Uhren und schon gar nicht um Smartwatches. Es geht um Liebe, Luxus und Leidenschaft. Liebe zum Detail, den Luxus edelster Materialien und eine generationenübergreifende Leidenschaft. Es geht um Preziosen, die von ihren Besitzern in mit Samt ausgekleideten Schatullen aufbewahrt und dereinst an die Enkel weitervererbt werden. Kurz: Die Uhren an der Baselworld sind teuer, nicht smart.

Doch halt: Im obersten Stockwerk präsentiert an einem kleinen Stand die Schweizer Firma Mondaine eine Smartwatch. «Mondaine Helvetica No. 1» heisst die Uhr. Sarah Erni von Mondaine erklärt uns als Erstes, das Clevere an dieser Smartwatch sei eben, dass sie nicht wie eine Smartwatch aussehe. In der Tat: Die Uhr hat zwei Zeiger, eine Datumsanzeige und ein ganz normales Zifferblatt. Sie kann nicht mehr anzeigen als die Uhrzeit. In ihrem Bauch stecken aber ein paar Sensoren, die einem Handy in der Nähe Daten über die sportliche Aktivität oder die Schlafqualität des Benutzers übertragen können. Die Smartwatch von Mondaine funktioniert damit gerade umgekehrt wie die Apple Watch: Letztere setzt ein iPhone voraus und macht dessen Funktionen auf der Uhr verfügbar, die Mondaine-Watch braucht auch ein Handy, macht darauf aber die Funktionen der Uhr verfügbar.

Smartwatch kontra Schweizer Uhr

Aber eben: Wer sucht schon zwischen Gucci und Prada, zwischen Tissot und Hublot nach einem Gameboy. An der Uhren- und Schmuckmesse geht es, wie überhaupt in der Schweizer Uhrenindustrie, nicht um Zweck und Funktionen. Während Apple die Nützlichkeit eines Handys schönzumachen versucht, machen die Uhrenhersteller die Schönheit einer Uhr nützlich. Apple und die Uhrenindustrie, Smartwatch und Schweizer Uhr, sind deshalb Gegensätze, nicht Konkurrenten. Sie verhalten sich zueinander wie ein Montblanc-Füller zu einem Computer. Den einen braucht man, den anderen liebt man.