Am Flughafen zu sitzen mit einem Ticket in der Hand, das man Monate zuvor gekauft und bezahlt hat und das trotzdem keinen Sitzplatz, sondern die unverständliche Abkürzung «SAG» enthält, ist extrem unangenehm und macht einen wütend. Genau so ist es mir vor einer guten Woche am Flughafen Krakau ergangen. Ich sass auf der Reservebank, schaute in Richtung Gate und wusste: Jeder, der jetzt noch in meine Richtung eilt, verkleinert meine Chance, doch noch einen Platz im Flugzeug zu ergattern.

Plötzlich ist man ganz Egoist und wünscht wildfremden Menschen, dass sie ihren Bus verpassen möchten, dass ihr Taxi eine Panne hat oder dass sie am Security-Check wegen Terrorismusverdachts hängenbleiben. Solche Gedanken sind absolut erbärmlich und ich will nicht ausschliessen, dass ich an diesem Sonntag, übermüdet und vom Wunsch erfüllt, möglichst schnell wieder zu Hause zu sein, noch erbärmlichere Gedanken hatte, die ich hier gar nicht aufschreiben möchte.

Und schuld daran ist einzig und allein das Geschäftsmodell einer Fluggesellschaft, in meinem Fall Easyjet, deren Ziel weit davon entfernt ist, ihre «Gäste» von A nach B zu bringen, sondern für die ich nichts weiter als eine verschiebbare Masse mit minimalen Auswirkungen auf das Jahresergebnis bin.

Und wenn ich dann in einer alten Medienmitteilung lese, dass ebendiese Fluggesellschaft es begrüsse, wenn «die Praxis traditioneller Fluggesellschaften, Passagiere durch Überbuchungen auszunehmen», beendet werde, dann ist das nicht nur schäbig, sondern zutiefst respektlos. So respektlos, dass die ganze Praxis mit überbuchten Flügen verboten werden müsste.