Exit vor der Haustür? Will ich nicht, kann ich nicht. Macht mich psychisch fertig. Die Vorstellung, dass da einer in ein Zimmer geht, Gift trinkt, langsam stirbt und dann vor meinen Augen im Sarg abtransportiert wird, ne! So würden wahrscheinlich viele reagieren, würde man ihnen sagen: Dein neuer Nachbar ist ein Sterbezimmer von Exit.

Insofern sind die Argumente der Gegner eines solchen Zimmers an der Hauptstrasse in Binningen nachvollziehbar. Doch wie geht es jenen Menschen, die sterben wollen, weil sie keine Kraft mehr haben zu leben? Die meisten von ihnen, die sich von Exit helfen lassen, tun das unbemerkt von den Nachbarn bei sich zu Hause. Doch da gibt es ein paar wenige, die das nicht können, weil sie kein Zuhause mehr haben. Um sie geht es.

Sie leben an einem Ort, wo selbstbestimmtes Sterben verboten ist. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als den beschwerlichen Weg nach Zürich ins einzige Sterbezimmer auf sich zu nehmen. Man muss sich das vorstellen: Da will jemand sterben, kann das aber nur würdig, wenn er vorher eine Reise auf sich nimmt! Da wäre es doch besser, ein Sterbezimmer in der Nähe zu haben. Doch: Wo?

Es wäre zu einfach, zu schreiben: Die Hauptstrasse in Binningen ist der perfekte Ort. Ist es natürlich nicht. Da leben Leute, die keine Lust haben, ständig Särge zu sehen. Das weiss auch Exit – und garantiert darum, nur acht Menschen pro Jahr in den Tod zu begleiten, und dies erst am Abend. Das ist im Schnitt ein Mensch pro anderthalb Monate. Was das Ganze relativieren dürfte. Und Exit den Weg erleichtern sollte, eine Aufgabe weiterhin wahrnehmen zu können, die nur verstehen kann, wer nicht mehr leben will.