Mit gutem Recht hat sich die Region an Silvester an den Kantonswechsel des Laufentals vor 20 Jahren erinnert. In fast allen Gedenkstücken wurde diese historische Zäsur als unter dem Strich geglücktes Unternehmen gewürdigt, das zwar ziemlich zähflüssig, aber mit weniger Folgeschäden als von den Gegnern ursprünglich befürchtet über die Bühne gehen konnte.

Dem soll nicht widersprochen werden. Gerade der Ende November an der Urne geplatzte Kantonswechsel des Berner Juras beweist, dass das Laufental-Experiment noch auf längere Zeit einzigartig in der Schweizer Bundesgeschichte bleiben wird. Dennoch schwingt bei allen Würdigungen von 20 Jahren Laufental im Baselbiet stets ein kritischer Unterton mit - erst recht aus der Feder von Direktbetroffenen. Da ist dann viel von «Randregion», «Vernachlässigung», «Abbau», «nicht ernst genommen» und «verpassten Chancen» zu lesen. Lange schon vor dem Jubiläumsdatum mündet jede Diskussion um die Stellung des Laufentals zwangsläufig in einen Verlust-Diskurs.

Das ist langweilig. Nach 20 Jahren ist das Laufental selbstverständlicher Bestandteil des Landkantons. Der stete Hinweis auf die Randregion ist ebenso fade, da Baselland zu mindestens 50 Prozent ein Kanton der Randregionen ist.

Auf dem Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein will die bz dem jüngsten Bezirk jetzt zum Jubiläum 12 neue Thesen mit auf den Weg geben. Diese sind das direkte Resultat von ausgiebiger Denkarbeit. Wir sind stolz darauf, diese hier erstmals vorstellen zu können.

1. These: Vor den Skiferien ist der Sportshop Karrer in Laufen der wichtigste Ort im Kanton.
2. These: Sonst hat das Laufental keinen wichtigsten Ort im Kanton.
3. These: Es ist nicht schlimm, dass das Laufental sonst keinen wichtigsten Ort im Kanton hat.
4. These: Das Laufental kann auch ohne Geburtsabteilung im Spital glücklich sein.
5. These: Mit der Geburtsabteilung in Laufen werden die Spitäler Baselland sehr unglücklich sein.
6. These: Noch glücklicher wären die Spitäler Baselland ohne das Spital Laufen, was jedoch das Laufental sehr unglücklich machen würde, da es dann keine Geburtsabteilung mehr hätte, worum zu kämpfen das Laufental erst recht glücklich macht.
7. These: Es gibt im Laufental noch andere Politiker als Georges Thüring und Rolf Richterich.
8. These: Es gibt im Laufental noch andere Theologen als Franz Sabo.
9. These: Leider fallen uns neben Thüring, Richterich und Sabo weder andere Politiker noch Theologen ein. Auch anderen Medien fällt niemand sonst ein.
10. These: Es gibt in der ganzen Schweiz keinen anderen Bezirk, der sich so sehr über die Wiedereröffnung eines Gefängnisses in seinem Hauptort freut.
11. These: Es ist schön, dass sich das Laufental auch an den kleinen Dingen erfreuen kann.
12. These: Ohne den Laufentalvertrag würden rund 30 Prozent aller «Land-Schreiber»-Kolumnen in der bz ohne Pointe enden, und darum vielen Leserbriefschreibern der Grund für bitterböse Zuschriften entfallen.

Da die Laufentaler - 13. These - bekannt sind für ihren Humor und ihre Selbstironie, werden sie die zwölf neuen Laufental-Thesen der bz gelassen dorthin verweisen, wo diese hingehören: ins Reich des Nonsens. Immerhin hält das politische Jahr 2014 mit der Masseneinwanderungsinitiative, der Gemeindeinitiative und der Fusionsinitiative noch genügend schwer verdauliche Themen bereit, welche die Diskussionen im ersten, zweiten und dritten Quartal prägen werden. Gleich anschliessend ist bereits wieder Wahlkampf auf kantonaler und nationaler Ebene angesagt.

In einem Essay zum Jahreswechsel hat die «NZZ» für mehr Gelassenheit im politischen Umgang mit sich und Europa plädiert. Aufs Laufental gemünzt möchte man sowohl den Laufentalern in den nächsten 20 Jahren mehr Gelassenheit wünschen im Umgang mit Liestal wie auch dem Restbaselbiet mit dem Laufental - und natürlich sehr viel Humor.