Wieder so ein unverständlicher, dummer, kurzsichtiger Entscheid, wie ihn nur diese Bauern ennet der Hülftenschanze fällen können. Baselland, der Deppen-Kanton. Zumindest kam es nicht unerwartet, das reflexartige Donnerwetter der Basler Kulturkreise über das Nein aus Liestal. Wer sich erfrecht, eine Subventionserhöhung von läppischen 1,4 Millionen Franken ans Theater Basel abzulehnen, hat nichts Besseres verdient. Da spielt es auch keine Rolle, dass die jährlich 4,5 Millionen, die Baselland fürs Theater überweist, nur unwesentlich weniger sind als die 6,5 Millionen, die der Landkanton für seine Römerstadt Augusta Raurica aufwendet. Der Stadt ist ihr 57 Millionen teures Dreispartenhaus, das in der Saison 2012/13 eine Zuschauerauslastung von 55,5% erreichte, direkte und indirekte jährliche Subventionen von rund 45 Millionen wert.

Damit soll nicht gesagt sein, dass der Entscheid des Baselbieter Regierungsrats der Weisheit letzter Schluss war. Mit einem Ja hätte er sich elegant und auf Jahre hinaus der lästigen Theater-Subventionsfrage entledigen können. Eine grosszügige Partnerschaftsgeste, die offenbar jetzt allgemein erwartet wird, weil sich Baselland dezidiert für seine Selbstständigkeit ausgesprochen hat, hätte darum Sinn gemacht. Erstaunlich ist nur, dass im Trommelfeuer der Kritik kein Wort über die Anspruchshaltung an den Landkanton verloren wird. Weil das Theater seinem neuen Intendanten quasi eine «Anschubfinanzierung» versprochen hat, weil es ferner mehr öffentliche Gelder will, um auch künftig gemäss selbst erklärtem Ziel in allen drei Sparten in der «Champions League» zu spielen, darf das Baselbiet gar nicht anders, als dem Antrag auf Subventionserhöhung zuzustimmen. Sonst setzt es verbale Prügel ab.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass im Vorwort zum letzten Jahresbericht Theater-Verwaltungsratspräsident Samuel T. Holzach zwar ausdrücklich den «Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Basel» für deren Unterstützung dankte, die Einwohnerschaft von Baselland und die Vorortsgemeinden aber mit keinem Wort erwähnte, die das Theater separat unterstützen, und woher bekanntlich die Hälfte aller Zuschauer stammt. Dass dem eigenen Baselbieter Amt für Kultur der Sachkredit für 2015 sogar um 10 Prozent gekürzt wurde, spielt in diesem Zusammenhang sowieso keine Rolle – selber schuld.

Mühsames Feilschen

Ziemlich mühsam und dumm, so ein gegenseitiges Aufrechnen, nicht wahr? Doch genau diese Eskalationsspirale droht fortan bei jedem partnerschaftlichen Geschäft, in dem der Finanzierungsschlüssel einer Seite missfällt. Mir wird jetzt schon schlecht. Tatsache ist, dass sich Baselland im Sparmodus befindet. Es wird ab sofort um jeden Zuschuss an die Stadt härter gerungen – egal, ob fürs Theater oder den Abbruch des Biozentrums. Das ist gefährlich und zweifellos klimaschädigend, aber kein Skandal und keine Absage an die Partnerschaft. Skandalös wird es erst, wenn Baselland auch weiterhin vor allem bei den Ärmsten spart; wie zuletzt bei den Prämienverbilligungen und der Sozialhilfe. Dann sind wir wirklich der Deppen-Kanton.