Die einen werden am morgigen Weissen Sonntag zwischen Schönebuech und Ammel wie wild mit Eiern um sich werfen. Die anderen, die Rot-Blauen, versuchen, dem liebsten Gegner FC Zürich das eine oder andere faule Ei im Tor unterzujubeln. FCB gegen FCZ! Erster gegen Dritter! Die Zeichen stehen auf Fussballklassiker; und dies bei hoffentlich schönstem Fussball- respektive Eierläsetwetter.

Es gibt noch einen anderen als den sportlichen Grund, dem sonntäglichen Spitzenspiel mit Gelassenheit und einer entspannten Vorfreude entgegenzublicken. Die Gleichung «FCB + FCZ = 13. Mai 2006 = Krawall» stimmt so schon lange nicht mehr. Die letzten grösseren Ausschreitungen an einem Heimspiel in Basel fanden im November 2009 statt, als Zürcher Anhänger Einrichtungen im Gästesektor verwüsteten und Sicherheitsleute mit ausgerissenen Sitzen bewarfen. 16 zum Teil per Internet-Fahndung ermittelte Chaoten kassierten dafür später vor Gericht Geld- und Freiheitsstrafen.

Für die Zeit danach ist einzig der Zwischenfall mit dem per Notbremse angehaltenen Fanzug im Bahnhof Muttenz vom April 2014 in Erinnerung geblieben, welcher den Bahnverkehr lahmlegte; dies ebenfalls mit Zürcher Beteiligung, aber nach einem Gastspiel von GC-Chaoten. Die FCB-Aufritte im Joggeli gegen andere Gegner als FCZ und GC laufen in der Regel friedlich ab. Nur noch selten verpasst die Polizei einem FCB-Heimspiel nach der vorgängigen Lagebeurteilung das rote Hochrisiko-Label; sondern, wenn überhaupt, dann bloss die Stufe orange.

Es braucht immer weniger Polizisten

Diese positive Gesamtentwicklung hat unter anderem dazu geführt, dass die Basler Sicherheitsbehörden auf Anfang Jahr die Beschränkung beim Alkoholverkauf im Stadion auf Leichtbier aufgehoben haben und tendenziell immer weniger Polizistinnen und Polizisten für die Fussballspiele einsetzen. Dies bestätigte unlängst die Basler Regierung nach einer schriftlichen Anfrage im Grossen Rat.

Gleichzeitig wies Regierungsrat Baschi Dürr darauf hin, dass seit 2012 die Zahl an vorläufigen Festnahmen im Umfeld von Sportveranstaltungen stetig steige, was «denn auch Ausdruck des konsequenten Einschreitens der Basler Strafverfolgungsbehörden» sei, wenn es doch mal zu Zwischenfällen kommt. 24 Rayon- und 22 Stadionverbote wurden 2014 auf dem Platz Basel verhängt, 2012 waren es gerade mal 10 Rayon- und 4 Stadionverbote.

Entsprechend ist es um den Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat in beiden Basel sehr still geworden. Im Baselbiet hat sich der Kopf des Initiativkomitees, CVP-Landrat Peter H. Müller, vor Monatsfrist aus der Politik zurückgezogen. Damit dürfte die Hooligan-Initiative auf dem Land gestorben sein. In der Stadt sind die nötigen 3000 Unterschriften auch nach achtmonatiger Sammlung noch nicht zusammengekommen; wobei die Initianten beteuern, dass sie ihr Sammlungsziel bis zum Ablauf der Frist im Januar 2016 erreichen werden und nicht daran denken, von der Initiative abzulassen.

Zwar hätten die Regierungen beider Basel die verschärften Konkordatsbestimmungen im Sinne einer Erweiterung der polizeilichen Mittel begrüsst, wurden aber von ihren Parlamenten zurückgepfiffen. Dennoch sei die Prognose erlaubt, dass ohne gravierende Zwischenfälle, welche die öffentliche Meinung anheizen, das verschärfte Hooligan-Konkordat in beiden Basel Theorie bleiben wird.

Dafür chlöpft es immer wieder auswärts

Das «Basler Modell», das den Dialog und die enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Verein und Fans vor die Repression stellt, hat sich für die hiesigen Verhältnisse zweifellos bewährt. Dafür gebührt allen Beteiligten ein dickes Kompliment. Das Chaotenproblem aus der Welt geschafft hat es aber nicht; konnte es gar nicht. Noch immer mischen Teile der Basler Ultra- und Hooligan-Szene ebenso kräftig wie gezielt mit, wenn es darum geht, an Auswärtsspielen für Gewalt und Vandalismus zu sorgen. Besonders gerne natürlich in Bern, wo die Behörden eine harte Linie fahren. So geschehen am letztjährigen Cupfinal – gegen den FCZ.