Mit Vergnügen hören wir von den Absichten einiger Riehener, den Kanton wechseln zu wollen. Das freut uns nicht nur deswegen, weil endlich einmal eine Basler Stadtgemeinde die Vorzüge des schönsten Landkantons der Schweiz begreift, und diese Diskussion eine angenehme Abwechslung zu den ewigen «Agglo-Gemeinde will sich Basel-Stadt anschliessen»-Drohungen darstellt.

Wir haben auch gegen neue fleissige Einzahler in den innerkantonalen Finanzausgleich nichts einzuwenden. Und überhaupt: Wenn es schon billig ist, dass sich die Gemeinden im Steuerwettbewerb gegenseitig ruinieren, um die zahlungskräftigsten Steuerzahler an Land zu ziehen, dann wäre es eigentlich nur recht, wenn die Kantone um die finanzstärksten Gemeinden ihrer Nachbarkantone buhlen dürften.

Angenehmer Nebeneffekt: Es wäre auch Tauschhandel denkbar, etwa im Stil von: «Ihr gebt uns Riehen und kriegt dafür Grellingen und Hölstein.» All jene Laufentaler, die noch immer vom Berner Bär auf ihrem Autokennzeichen träumen, wären im Sinne der zweitbesten Lösung sofort für den Baslerstab zu haben. Auch könnten sich so Kantonsregierungen und Parteistrategen im Stil des in den USA beliebten «Gerrymandering» von Urnengang zu Urnengang ihre optimalen Wahlkreise zusammenschustern.

Monumentaler Bärendienst

Gewisse Nehmergemeinden muss man eben zu ihrem Glück zwingen. Man stelle sich vor: Im Zuge der Wirtschaftsoffensive interessiert sich ein hochseriöser Investor für die Neuansiedlung in einer wirtschaftsschwachen Region im Oberbaselbiet. Geschätztes Bauvolumen 60 Millionen Franken, verbunden mit rund 20 neuen Arbeitsplätzen; dazu wiederkehrende Folge- und Zulieferaufträge für das lokale Gewerbe und die reale Aussicht, dank der Ausrichtung des Unternehmens die gemeindeeigenen Sozialkosten zu senken. Steuererträge generiert das KMU zwar keine, aber das tun wegen der Möglichkeit der Steuerbefreiung ohnehin nur die wenigsten Neuansiedler und Start-ups. Trotzdem schlagen diesen Plänen aus der Standortgemeinde ein Sturm der Entrüstung und ein entschiedenes Njet entgegen, noch ehe überhaupt die ersten Baupläne auf dem Tisch liegen. Eigentlich undenkbar, oder?

Da es sich bei diesem Unternehmen aber um ein Bundesverfahrenszentrum für Asylsuchende handelt, das weder Abgase produziert noch donnernde 48-Tonnen-Lastwagen anzieht, dafür aber 400 Asylsuchende beherbergt, ist es eben doch denkbar. Zum Beispiel in Hölstein. Noch kaum je hat der Gemeinderat eines kleinen Dorfes mit einer voreiligen Absage sämtlichen Baselbieter Nehmergemeinden einen derart grossen Bärendienst erwiesen wie die Waldenburgertaler. Ausgerechnet in der heissen Phase der Neuregelung des horizontalen Finanzausgleichs darf wegen ihnen keine Nehmergemeinde mehr auch nur einen Pieps des Widerstands gegen die künftigen Mindereinnahmen wagen, ohne in den Hammer des Entsolidarisierungsvorwurfs zu laufen. Zwar das Geld der Gebergemeinden zu kassieren, sich aber vor Kantonsaufgaben drücken zu wollen, hiesse das vernichtende Pauschalurteil.

Mit Riehen dagegen stiesse die wohl zahlungskräftigste Gebergemeinde überhaupt zum Baselbiet. Und wir hätten auch gleich ein Willkommensgeschenk für die sympathischen Grenzstädter: das Bundesverfahrenszentrum für Asylsuchende.