Was für eine unglaubliche Sportwoche! King Roger besteigt nochmals einen bedeutenden Tennis-Thron, der FCB spielt (zumindest phasenweise) das grosse Real Madrid an die Wand.

Aus Baselbieter Optik könnten diese beiden Ereignisse aber ebenso gut in Niedergeschlagenheit münden. Dass es vermutlich das letzte Mal war, dass Champion Roger Federer (33) einen grossen Titel geholt hat, dürfte selbst dem hoffnungslosen Tennis-Laien klar sein. Beim FCB stand zwar Philipp Degen (31 Jahre alt) 75 Minuten lang auf dem Platz, während Marco Steller (33) bloss wegen seiner Lendenbeschwerden passen musste. Doch auch für diese beiden Spitzenfussballer rückt der Tag des Abschieds immer näher. Die übrigen Vertreter der grossen Baselbieter FCB-Ära der Nullerjahre wie Benni Huggel, die Gebrüder Yakin, David Degen und Alex Frei haben ihre Aktivzeit bereits hinter sich gelassen.

Es gibt noch andere Namen, die in den Sinn kommen, um den überschrittenen Zenit des Spitzensportkantons Baselland zu belegen. Patty Schnyder kümmert sich inzwischen um ihr Baby, der Top-Eishockeyaner Oliver Kamber aus der grossen Sissacher Sportlerfamilie wird mit seinen 35 Jahren auch nicht mehr allzu viele NLA-Saisons bestreiten, während sein Vorbild, der einstige Nati-Captain Patrick Sutter, längst schon die Schlittschuhe gegen den Hobby-Tennisschläger eintauschen musste.

Einst visionär

Dass viele Aushängeschilder dieser einzigartigen Baselbieter Sportlergeneration schon zurückgetreten sind oder kurz vor dem Rücktritt stehen, ist das Eine. Das Andere, dass gerade im Tennis und Eishockey nur wenige Talente auszumachen sind, die in die Lücken drängen. Mindestens ebenso gravierend ist: Gleichzeitig mit dieser steten Einbusse an Aushängeschildern hat Baselland die Pionierrolle in der Sportförderung eingebüsst.

Inwiefern da ein Zusammenhang besteht, bleibt Spekulation. Trotzdem: Von den vielen Errungenschaften der letzten 15 Jahre ist das einst visionäre Förderprogramm für den Bau von Sportanlagen Kasak wegen fehlender Gelder eingeschlafen. Das Sportamt unter seinem rührigen Leiter Thomas Beugger tut zwar alles, damit die aufgezwungenen Sparrunden möglichst wenig Auswirkungen auf Nachwuchsprogramme wie «Talent Eye», den freiwilligen Schulsport oder die sportmotorische Talenterfassung in den Primarschulen haben. Auch wurde neulich bei der Vorstellung der Studie «Sport im Kanton Basel-Landschaft» das Hohelied auf die «noch nie so aktiven Baselbieter Sportlerinnen und Sportler» gesungen. Die politische Realität im Sparkanton sieht jedoch anders aus. Die vom Landrat jeweils deutlich verabschiedeten Jugend- und Behindertensportkonzepte sind genauso wenig mit finanziellen Mitteln ausgestattet worden wie Kasak 3. Man schrieb 2005, als der Landrat letztmals Geld für die Sportförderung bewilligte; also dem Jahr, als Roger Federer Wimbledon und das US Open gewann. Im Gegensatz dazu stehen dem Sportamt 2015 weitere Kürzungen von 90'000 Franken bevor.

Nun ist das Baselbieter Parlament nie durch eine besondere Vorliebe für Sportpolitik aufgefallen. Wenn es ums Sparen geht, steht der Sport oft zuoberst auf der Streichliste. Natürlich wird der FCB auch ohne kantonale Jugendprogramme den nächsten Streller hervorbringen, aber Sparen in der Sportförderung hat sich noch selten als weitsichtig herausgestellt. Ein Hoffnungsschimmer besteht immerhin: Soeben hat die Finanzkommission zwei Budgetpostulaten des Bubendörfer EVP-Landrats und ex Sportfunktionärs Alain Tüscher zugestimmt, auf Kürzungen im Sportamt zu verzichten sowie das Jugendsportkonzept mit 70 000 Franken auszustatten.