Bereits sind 72 Stunden seit der Schreckensmeldung vergangen, und noch immer haben wir keinen einzigen guten Spottvers zum 120-Millionen-Loch in der Baselbieter Staatsrechnung gehört. Denn seien wir ehrlich: Anders als mit einer gehörigen Prise Galgenhumor lässt sich die Vorstellung, künftig in Helvetiens erstem Pleitekanton leben zu müssen, nicht wirklich ertragen. Aber irgendwie will sich «Baselland» nicht auf «Staatsbankrott» reimen.

Baselbieter müssen konsequent Ja zum Leistungsabbau sagen

Zumindest kann niemand behaupten, dass die Nachricht aus heiterem Himmel gekommen sei. Auf diesen Seiten haben Redaktion und verschiedene Gastkommentatoren oft genug und seit Jahren vor einer solchen Entwicklung gewarnt. Jetzt ist es weniger die Sorge vor einer Steuererhöhung, die uns deprimiert, als die politische Schaumschlägerei, die nach der Veröffentlichung der tatsächlichen Zahlen eingesetzt hat. Für die Linke ist es die bürgerlich dominierte Regierung, die der Verursacher der Finanzmisere ist. Für die Rechte der linkslastige Landrat, der das Geld stets mit vollen Händen ausgab. Wirklich wirksame Rezepte zur Abhilfe hat aber bisher – offensichtlich – noch keine von beiden Seiten gefunden.

Immerhin hat das Baselbieter Stimmvolk an der Urne eindeutige Fakten geschaffen: Eine Sanierung der Kantonsfinanzen via Fusion mit der Stadt Basel und deren Pharma-Steuermillionen lehnten die Baselbieterinnen und Baselbieter ebenso wuchtig ab, wie sie bei den Neuwahlen klare bürgerliche Mehrheitsverhältnisse in Regierung und Parlament geschaffen haben. Das jetzige Staatsdefizit ist also gleichsam der Preis und die Herausforderung für das unabhängige, bürgerliche Baselbiet. Jetzt muss das Baselbieter Stimmvolk nur noch ebenso konsequent jene Gesetzesänderungen annehmen, die einen Leistungsabbau beinhalten. Dass es in der neuen Legislatur vor allem um solche gehen wird, steht ausser Frage. Ob Entlastungsrahmengesetz, Autovignettenerhöhung oder Schlösser-Initiative: Wenn es um Sparvorhaben an der Urne ging, liessen sich die Rampasse in der Vergangenheit nur ungern umstimmen. Aus der Verantwortung stehlen kann sich also auch der gemeine Stimmbürger, die gemeine Stimmbürgerin nicht.

Ab in die Eurozone und obendrauf Ikea verstaatlichen

Aber wir wollen nicht nur jammern und beim Schwarzer-Peter-Spiel auf den Nebenmann zeigen. Das tun andere schon zur Genüge. Wir bringen Lösungen! Wir bringen Lösungen, ohne das Wort «Sparen», «Leistungsabbau» oder «Kündigung von Staatsverträgen» auch nur in den Mund zu nehmen! Wir bringen Lösungen, auf die noch niemand sonst gekommen ist und bei denen es um Mehreinnahmen, nicht Verzicht geht!

Als Erstes plädieren wir für den Austritt des Baselbiets aus der Frankenzone und den Wechsel zum Euro. Wie der Finanzdirektor selber sagt, trägt die Frankenstärke gegenüber dem Euro, wenn sie sich auch jetzt noch nicht auf die Staatsrechnung niedergeschlagen hat, massgeblich zu den zappendusteren Steuerprognosen bei. Also machen wir die Schwäche zu unserer Stärke und aktivieren dadurch gleichzeitig den Einkaufstourismus ins Baselbiet. Als Untervariante wäre auch ein Tauschhandel mit der EU denkbar: Baselland wechselt zur EU, dafür wird Griechenland neuer Halbkanton. Die Kulturstadt Basel wäre begeistert, und Baselland hätte Aussicht auf die Milliarden aus dem EU-Rettungsschirm.

Oder aber Baselland investiert endlich in Unternehmen, die saftige Gewinne abwerfen. Wenn schon die neuen Umfahrungsstrassen auf Pump gebaut werden müssen, wieso nicht mit Billigkrediten ein schönes Ölfeld in der Nordsee vor Norwegen kaufen oder eine Diamantenmine in Südafrika? Wer sagt denn, dass sich der Kanton immer nur aus Steuereinnahmen, Nationalbanküberschüssen und Verkehrsbussen finanzieren muss? Wieso sonst kauft China halb Afrika auf und beutet dort die seltenen Erden aus? Eine Verstaatlichung von Ikea in Pratteln würde vermutlich auf gewisse Widerstände stossen, aber die Übernahme aller gewinnträchtigen Start-ups auf Baselbieter Boden und deren Patenten müsste doch allemal drinliegen. Bis die Dividendenmillionen fliessen, wäre es dann nur noch eine Frage der Zeit.

Wie bitte? Sie vermissen an unseren Vorschlägen die Ernsthaftigkeit? Wie unfair von Ihnen! Die hatte doch bisher auch sonst niemand. Genau so wenig wie den guten Spottvers.