Aus dem Basler Zolli sind sie schon lange verschwunden, im Zoo von Mulhouse aber kann man die Eisbären von einer grossen Aussichtsplattform und von Schaufenstern aus in aller Ruhe beobachten.

Entzückt die Besucher: Der Eisbär von Mulhouse.

Entzückt die Besucher: Der Eisbär von Mulhouse.

Am schönsten ist es zuzuschauen, wenn sich einer der weissen Giganten im riesigen Schwimmbecken, in das ein grosser Wasserfall mit grossem Getöse fällt, mit einem Autoreifen amüsiert. Bis auf den Grund des Bassins stehen grosse Steinblöcke, an denen er sich bisweilen reibt. Die Zuschauer können das gesamte Becken, das drei Meter tief ist und eine Fläche von 200 Quadratmeter hat, durch eine grosse Scheibe überblicken.

«Grand Nord» heisst der 10 000 Quadratmeter grosse Bereich, dessen erster Teil der Zoo bereits 2013 eingeweiht hat und in dem in einer tundraähnlichen Landschaft Moschusochsen, eine nordische Eulenart und Polarfüchse leben. Den drei Eisbären Tina, Sesi und Vicks wurden davon 2000 Quadratmeter vorbehalten, die in zwei gleich grosse Bereiche aufgeteilt sind und letztes Jahr dazukamen. Ein Teil ist dafür vorgesehen, dass eine Eisbärmutter sich mit ihren Jungen zurückziehen kann, falls sie schwanger wird.

Tina ist eine 30 Jahre alte Eisbärendame, deren Partner gestorben ist. Vicks und Sesi, das neue Paar, ist jeweils vier Jahre alt und kommt aus zwei verschiedenen niederländischen Zoos.

Eisbären fressen in freier Wildbahn fast nur Fleisch. Im Zoo werden sie immer gegen 15 Uhr mit Fisch und im Sommer auch mit Früchten gefüttert. In einem kleinen Container wird, leider nur auf Französisch, erklärt, wie der Lebensraum für die Eisbären immer kleiner wird, da durch den Klimawechsel und die Erwärmung das Packeis zunehmend schmilzt.

Der Zoo von Mulhouse ist gleichzeitig auch ein Botanischer Garten und wurde 1868 gegründet. Heute beheimatet er 1200 Tiere und 3000 Pflanzen.

Rundblick vom Turm

Nahe beim Zoo befindet sich ein Aussichtsturm – vom Kreisel vor dem Haupteingang der rue Auguste Ludwig in Richtung Belvédère folgen. Von dort hat man einen schönen Rundblick auf Jura, Schwarzwald und Vogesen und überblickt Mulhouse. Der stählerne Turm mit seinen 108 steilen Holztreppen wurde 1898 von der Firma Ph. Anton Fauler aus Freiburg im Breisgau gebaut, damals gehörte das Elsass zum Deutschen Reich.

Wieder auf dem Boden ist ganz in der Nähe des Turms ein eindrückliches Denkmal für die «malgré nous» zu sehen, die elsässischen Zwangseingezogenen im Zweiten Weltkrieg, von denen viele ihr Leben im russischen Lager Tambov liessen.

Wer mit Zug und Bus gekommen ist, der kann vom Belvédère auch durch den Rebberg, das alte Villenviertel von Mulhouse, in einer guten halben Stunde den Berg hinunter zum Bahnhof zurücklaufen – am besten stattet man sich dafür aber mit einem Stadtplan aus. Vom Boulevard Alfred Wallach hinter dem Bahnhof führt eine Fussgängerpassage wieder zum Bahnhofsvorplatz.

Wen Eisbären kaltlassen, der kann stattdessen einen Ausflug nach Mulhouse auch mit dem Besuch des exotischen Marktes «Marché du Canal Couvert» verbinden. Mit bis zu 350 Ständen in der Hochsaison zählt er zu den grössten Märkten Frankreichs. Neben vielen kleinen elsässischen Produzenten bieten auch etliche nordafrikanische Händler Früchte und Gemüse an, manche verkaufen auf kleinen Tischen hoch gestapelt gebündelte frische Minze, mit der sich zu Hause ein erfrischender Tee machen lässt.

Der Markt teilt sich in drei Teile. Südlich von der ihn trennenden Rue Franklin/Avenue Aristide Briand finden sich Stoffe und Kleider, CD's, Taschen und Haushaltswaren, während sich auf der anderen Seite bis zur Markthalle die Stände mit den Frischwaren wie zum Beispiel Ziegenkäse oder Salami, Blumen, Früchte und Gemüse finden.

Freundlich helle Markthalle

Die Markthalle wurde 2001 modernisiert und den EU-Normen angepasst. Sie ist dadurch auch heller und freundlicher geworden. Neben orientalischen und elsässischen Metzgern gibt es Stände für italienische und portugiesische Produkte, Gewürze, Fisch, Käse und Bäckereien. Im ersten Stock ist ein Restaurant.

Der Markt findet Dienstag, Donnerstag von 7 bis 17 Uhr und Samstag von 6 bis 17 Uhr statt. Mit Abstand am grössten ist er am Samstag. Für einen Besuch bietet sich dann der Morgen und Vormittag an, denn die vielen kleinen Produzenten, die am Samstag auf den Markt kommen, packen ihre Sachen in der Regel gegen Mittag zusammen. 

Der Markt in Mulhouse findet dreimal pro Woche statt.

Der Markt in Mulhouse findet dreimal pro Woche statt.

Noch einen dritten Grund für einen Ausflug nach Mulhouse gibt es: ein wenig französisch, elsässisches Flair in der Altstadt tanken, die allerdings nicht überall gleich attraktiv ist. Vom Bahnhof aus ist der zentrale Place de la Réunion in knapp zehn Minuten zu Fuss zu erreichen. Hier befindet sich auch das alte Rathaus von 1552. Ab 1515 galt Mulhouse als zugewandter Ort der Eidgenossenschaft und hatte einen Vertrag mit 13 Kantonen abgeschlossen. 1798 schloss sich die Stadt Frankreich an, deshalb heisst der Platz auch Place de la Réunion, und beendete die Periode der engen Verbindung mit der Schweiz, deren 500-Jahr-Jubiläum dieses Jahr gefeiert wird.

Am lebendigsten sind die beiden verkehrsfreien Strassen rue Henriette und rue des Boulangers, die vom Place de la Réunion abgehen. Die Strassennamen werden stets auch auf Dialekt angegeben. So steht unter der zentralen Einkaufsstrasse Rue du Sauvage «Wildemannsgass.»