Kürzlich hatte ich eine Einladung zur Vernissage einer Grafik-Ausstellung in Saint-Louis. Da diese im Ausstellungsraum der Cité Danzas stattfand, wo ich noch nie gewesen war, habe ich mich auf den Weg über die Grenze gemacht. Seit zwei Jahren befindet sich am Gründungsort der Spedition Danzas ein Zentrum für Kunsthandwerker, die seltene Berufe ausüben, und denen die Stadt mit sehr günstigen Mieten entgegen kommt. Die Backsteinmauern wurden beibehalten, der Innenausbau ist neu.

Ein 60 Quadratmeter grosses Atelier kommt da auf 200 Euro zu stehen, inklusive Nebenkosten. In den 16 Ateliers, die alle besetzt sind, arbeiten so unterschiedliche Berufsleute wie Pfeifenmacher, Glasbläser, Textildesigner, Musikinstrumentenbauer, Kalligrafen und Plakatmaler. Ich fand das alles so spannend, das ich mir vorgenommen habe, später einen ausführlichen Artikel über die Cité Danzas zu schreiben.

Louis Danzas, der aus Colmar stammte, hatte das Logistikzentrum 1816 in Saint-Louis gegründet. Der Ort war gut gewählt, denn unweit vom Gebäude sollte 1840 der erste Bahnhof von Saint-Louis entstehen –wenige Jahre später war auch die gesamte Bahnstrecke von Strassburg bis Basel fertig. Als das Elsass 1871 deutsch wurde, ist Danzas, weil er nicht Deutscher werden wollte, mit seiner Firma nach Basel umgezogen.

Aber zurück zur Grafik-Ausstellung: die 53 Werke aus aller Welt, zum grössten Teil Holzschnitte, die in Saint-Louis bis zum 2. Juli (täglich 12–18 Uhr, 12, rue Théo Bachmann) zu sehen sind, stammen aus der Sammlung des Vereins Xylon International, der ursprünglich in Winterthur angesiedelt war. Laut Präsident Lukas E. Linder zog er 2007 nach Saint-Louis um.

Die Vernissage sollte um 18.30 Uhr anfangen und ich habe zwei Fehler gemacht, die ich in schöner Regelmässigkeit wiederhole. Ich hoffe, ich lerne einmal dazu. Je länger ich in Basel wohne, desto kleiner erscheint mir die Stadt und tatsächlich hat man mit dem Velo so gut wie alle Orte in zehn Minuten oder einer knappen Viertelstunde erreicht. Nach Saint-Louis hingegen zieht sich der Weg. Das vergesse ich meist. Wenn einen das Rotlicht am Voltaplatz aufhält, gefühlt sind das sechs bis sieben Minuten, ist man schnell eine knappe halbe Stunde bis Saint-Louis unterwegs.

Ich verstehe übrigens nicht, weshalb es jetzt bei der Kohlenstrasse, kurz vor dem Zoll Lysbüchel, so viele Lichtanlagen gibt. Auch da musste ich warten. Ich bin Jahre lang über diese Kreuzungen gefahren, als es dort noch keine Ampeln gab, und es hat immer wunderbar geklappt. Heute wartet und wartet man. Bei einer Baustelle in Huningue, bei der nur eine Spur zu befahren war, gab es an der Ampelanlage eine Art Uhr, die die Sekunden, die man noch warten musste, rückwärts zählte. Als relativ ungeduldiger Mensch war ich davon begeistert und frage mich, ob man ein derartiges System nicht auch an warteintensiven Kreuzungen wie dem Voltaplatz einführen könnte. Mich würde das auf jeden Fall entspannen.

Wie dem auch sei: Zur Vernissage bin ich auf jeden Fall reichlich zu spät gekommen. Nur: es hat gar nichts gemacht. Die Ansprachen begannen ab 19 Uhr – mein zweiter Fehler war, dass ich ständig vergesse, dass in Frankreich ein Anlass selten pünktlich beginnt. Ein Klischee, aber allermeistens stimmt es.

Ich hätte mich also gar nicht so beeilen müssen. Ich hatte meinen Helm dabei und habe mich deshalb als Velofahrer geoutet. Wie fast immer im Elsass habe ich einige verwunderte Bemerkungen wegen meiner Velofahrt geerntet. Vielleicht wissen die Bewohner von Saint-Louis aber auch, dass es vom Bahnhof SBB, wo unsere Redaktion ist, bis zu ihnen weiter ist als gedacht.

Die Kolumne «Mein Leben im Dreiland» macht in den Sommerferien Pause und erscheint am 19. August wieder. Stattdessen publizieren wir in den Ferien jede Woche einen Ausflugstipp im Dreiland.