Ich fahre ja meistens Velo, aber manchmal bin ich auch mit dem Auto unterwegs. Ich bin zwar kein Raser, aber kleine Geschwindigkeitsübertretungen können auch mir mal passieren. Nächste Woche heisst es da bei den südbadischen Nachbarn besonders vorsichtig zu sein. Ab Donnerstagmorgen, den 16. April, ab 6 Uhr findet in ganz Baden-Württemberg, und nicht nur da, zum dritten Mal das sogenannte «24-Stunden-Blitz-Marathon» statt.

Damit will die Polizei die Autofahrer aufrütteln, ist doch zu hohe Geschwindigkeit »nach wie vor die Unfallursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen«, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Auf einer Internetseite kann die Bevölkerung Stellen melden, an denen vermeintlich gerast wird. Bisher haben 21 Staaten ihre Teilnahme an der europaweiten Aktion angekündigt. Die Schweiz ist zwar nicht dabei, «macht aber Geschwindigkeitskontrollen in normalem Rahmen», wie es auf der Liste zum Blitz-Marathon heisst. Frankreich fehlt ganz, aber zuletzt sind mir in den elsässischen Medien regelmässig Meldungen über Kontrollen der Gendarmerie aufgefallen, bei denen regelrechte Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt wurden.

Den Rekord stellte da ein Schweizer aus der Region Basel bei Kembs auf, der mit 220 km/h statt den erlaubten 90 km/h unterwegs war. Der Fahrer musste 840 Euro Kaution hinterlegen und kommt in Mulhouse vor Gericht. Sein Fahrausweis wurde einbehalten und er wird ein Fahrverbot für Frankreich erhalten. Aber damit nicht genug. Ich habe immer gedacht, derartige Verstösse im nahen Ausland bleiben in der Schweiz ohne Konsequenzen. Weit gefehlt. Laut der Medienstelle der Basler Polizei kann zwar jemand, der in Frankreich gerast ist, nicht in der Schweiz noch einmal für die gleiche Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Aber, und nun kommt es: «Anders sieht es bei den administrativen Massnahmen aus, bei denen beide Länder zum Zuge kommen. Das beträfe in diesem Fall das Fahrverbot für Frankreich sowie das Fahrverbot in der Schweiz, wo wiederum der jeweilige Wohnsitzkanton zuständig ist.»

In der Praxis schicken die französischen Behörden die Verfügung über das Fahrverbot mit dem abgenommenen Fahrausweis per Post dem zuständigen Strassenverkehrsamt in der Schweiz. Das kann einige Wochen bis mehrere Monate dauern. Das Fahrverbot in der Schweiz darf allerdings nicht länger sein als das für das Ausland verfügte. Jedoch kann zusätzlich eine Fahreignungsprüfung beim Verkehrspsychologen angeordnet werden. Hätte der oben zitierte Raser sein Vergehen statt in Frankreich in Deutschland begangen, hätte er andere Konsequenzen. Zwar würde der Bussgeldsatz von 600 Euro verdoppelt, da man von Vorsatz ausgeht. Laut Lörracher Polizei würde er angezeigt und erhielte ein dreimonatiges Fahrverbot für das deutsche Hoheitsgebiet – aber, und das ist wohl der entscheidende Unterschied, der Schweizer Fahrausweis wird ihm nicht abgenommen.

Es ist wohl deshalb auch davon auszugehen, dass die Schweizer Behörden vom Raseraufflug ins benachbarte Südbaden keine Kenntnis erhalten. Kommt hinzu, dass die deutsche Autobahn zwischen Basel und Efringen-Kirchen noch immer keine Geschwindigkeitsbegrenzung kennt und gerne insbesondere von Schweizern genutzt wird, um auszuprobieren, wie schnell ihr Auto mit Vollgas überhaupt fährt. Irgendwie kann ich das zwar verstehen, aber im Zeitalter von Marathon-Blitz-Aktionen ist das doch eigentlich ein Anachronismus.