Kürzlich hatte ich ein Telefonat mit einer Dame, die seit 1986 als Grenzgängerin im Raum Basel arbeitete, seit einigen Jahren pensioniert ist und in Lörrach lebt. Als sie in Rente ging, hat sie sich bei ihrer Schweizer Krankenkasse erkundigt, ob das irgendetwas für sie ändere und es hiess nein. Jetzt aber muss sie aller Voraussicht die Kasse wechseln und sich in Deutschland versichern. «Dabei sind wir doch Nachbarn und die Grenzen fallen immer mehr weg», hat sie sich gewundert.

Ich habe das dann nachrecherchiert und bin auf eine merkwürdige Regelung gestossen. Sollte ich mal wieder nach Deutschland ziehen, würde sie mich auch selbst betreffen. Tatsächlich kann sich ein ehemaliger Grenzgänger oder jemand, der die Schweiz verlässt, nur dann dort weiterversichern, wenn er aus der Schweiz eine Rente erhält und, jetzt kommt es: «keine Rente aus seinem Wohnstaat erhält». Dabei kann die noch so niedrig sein. Zuständig für derartige Fragen ist die Gemeinsame Einrichtung KVG in Solothurn, die sich wiederum seit 2002 auf das Personenfreizügkeitsabkommen mit der EU stützt.

Theoretisch würde ein Euro im Monat schon reichen, damit ich die Schweizer Kasse verlassen muss. Das hat mir ein allem Anschein nach hoch kompetenter Sachbearbeiter erklärt. Genau das wäre bei mir der Fall, denn ich habe nach der Matur und vor dem Studium einige Monate wegen einem Job in die deutsche Rentenkasse eingezahlt. Das wäre dann entscheidend, obwohl ich seit 1991 ohne Unterbruch die AHV und Pensionskassen in der Schweiz alimentiere. Auf die deutsche Rente zu verzichten, was ja schlau wäre, geht übrigens nicht.

Einen Ausweg scheint es dann eventuell doch zu geben. In dem Brief, den die zitierte Dame von ihrer Basler Krankenkasse erhielt, war auch von einer – nur einer – Möglichkeit die Rede, doch Mitglied in der Schweiz zu bleiben. Wenn sie nämlich nachweisen kann, dass sie in Deutschland keine Kasse aufnimmt. Auf jeden Fall gibt das alles Umtriebe und Aufwand, auf die die ehemalige Grenzgängerin gerne verzichtet hätte.

Merkwürdigkeiten gibt es meiner Ansicht nach auch bei den Bankkonten. Auch das hat mir die besagte Dame erzählt. Seit einigen Jahren müssen die Grenzgänger für ihre Schweizer Gehaltskonti spezielle Gebühren zahlen und eben nur, weil sie im nahen Ausland wohnen. Die Höhe habe ich bei den Medienstellen verschiedener Banken nachgefragt. Bei der Basler Kantonalbank (BKB) wird das Konto für alle Kunden mit Wohnsitz im Ausland mit monatlich 20 Franken belastet. Die Basellandschaftliche Kantonalbank ist bescheiden und gibt sich mit 10 Franken im Monat zufrieden. Bei Credit Suisse hingegen schenkt es mit 40 Franken richtig ein. Die UBS hat nicht geantwortet. Die BKB-Medienstelle begründet die Gebühren so: «Die Erfüllung der wachsenden regulatorischen Anforderungen und die Einhaltung von internationalen Abkommen verursachen einen erheblichen Mehraufwand für die Banken.»

Das mag ja sein, aber könnte man nicht zumindest für Kunden im eng verzahnten Dreiland eine Ausnahme machen? Da kann ich nur sagen: Ich bin froh, seit drei Jahren in Basel zu wohnen. Darauf, mir Gebühren aufzubrummen, weil ich von Frankreich und Deutschland aus gesehen im Ausland wohne, ist bisher weder die Crédit Mutuel in Huningue noch die Sparkasse Markgräflerland in Weil gekommen, bei denen ich ebenfalls Konti habe. Ich hoffe, ich bringe sie nicht auf dumme Ideen.