Unusual Weather Phenomena Project» heisst Thom Luz’ neuer Theaterabend. Doch für mich war an jener Premiere vom letzten Donnerstag nicht das Wetter das ungewöhnlichste, auch nicht die Inszenierung, sondern, dass Alfred Ziltener nicht kam. Er hatte sich darauf gefreut, so wie er sich nach all den Jahren noch immer auf jede Premiere, jedes Konzert, jede Gelegenheit, mit Menschen zu plaudern, freuen konnte. Der Platz neben mir in der ersten Reihe blieb leer. Ich machte mir Sorgen: Wenn Fredi nicht ins Theater kommt, muss etwas Schreckliches geschehen sein. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass er gestorben war.

Erst am Wochenende davor hatte er seinen 64. Geburtstag gefeiert. Darum hatte ich an der Premiere eine handgemachte Schokolade mit Erdbeeren dabei. Ein Geschenk ist oft eine Wunschprojektion: Natürlich hätte ich diese Schoggi am liebsten selber gegessen. Als ich tags darauf bereits wusste, dass Fredi sie nicht mehr essen können würde: Ich konnte es auch nicht mehr.

Am Samstag waren wir zu Freunden eingeladen und ich beschloss, ihnen, mitsamt einer Flasche Wein, die Fredi-Schokolade zu schenken: «Aber sags ihnen nicht», bat ich meinen Mann. Denn wie tönt das: «Diese Schokolade war für Fredi, aber er ist gestorben, also haben wir sie euch gebracht.» Und er sagte es ihnen doch: «Das ist fairer gegenüber Fredi!» So stiessen wir am Samstag auf Fredi an und assen seine Schokolade auf. Wie schade, dass ich es ihm nicht erzählen kann. Ich glaube, diese Geschichte hätte ihm gefallen.