Der Schock sitzt noch in den Knochen. Die Nationalbank hat den Euro in den Tiefflug beziehungsweise den Franken in den Höhenflug entlassen. Über die voraussichtlichen Auswirkungen des SNB- Entscheides auf die Schweizer Wirtschaft und Konjunktur streiten sich die Experten noch. Doch eine Gruppe der sich bedroht sehenden Exportwirtschaft ist schnell mit einem Rezept zur Hand. Es heisst: solidarischer freiwilliger Verzicht. Und zwar seitens der Arbeitnehmerschaft. Den Anfang hat in unserer Region Straumann gemacht, weitere werden folgen. Einen «freiwilligen» Lohn- bzw. Bonusverzicht will man der Arbeitnehmerschaft schmackhaft machen. Die Grenzgänger und Grenzgängerinnen sollen einer künftigen Auszahlung ihres Lohnes in Euro zustimmen. Ansonsten, erklärt das Unternehmen, sei ein weiterer Stellenabbau unvermeidlich.

Auch wenn formell korrekt über eine Änderungskündigung abgewickelt– wie freiwillig kann ein Lohnverzicht sein, wenn man am kürzeren Hebel sitzt und mit Jobverlust unter Druck gesetzt wird? Besonders stossend ist die Idee, den GrenzgängerInnen mit einem Euro-Lohn das gesamte Währungsrisiko zu übertragen. Dieses gehört zu den Unternehmensrisiken, die vom Arbeitgeber zu tragen sind. Ich kann mich noch gut an die umgekehrte Situation erinnern, als – vor Jahren – Arbeitnehmer aus dem grenznahen Ausland wegen eines schwachen Frankens reale Lohneinbussen hinzunehmen hatten. Niemand hat damals daran gedacht, ihnen diese zu ersetzen oder den Lohn in Euro auszubezahlen.

Solidarität ist aber keine Einbahnstrasse!

Der Arbeitsrechtler Professor Thomas Geiser hat in dieser Zeitung dargelegt, warum die Ungleichbehandlung von Grenzgängerinnen und Grenzgängern gegenüber Schweizer Mitarbeitern beim Lohn nicht nur ungerecht, sondern auch illegal ist. Mit Recht wehren sich die Gewerkschaften gegen diese Form von Lohndumping. Das Modell «Straumann» muss verhindert werden!

An die Solidarität, hier diejenige der Basler KonsumentInnen, hat auch das Gewerbe appelliert. Wir sollen an die notleidenden Läden hier in Basel denken und auf Einkaufstouren im billigen Euroland verzichten. Auch hier überzeugt der Appell nicht wirklich. Als vernünftige Konsumentin werde ich den entspannten Einkaufsbummel zu Fuss in der – endlich autofreien – Basler Innerstadt oder im Quartier weiterhin dem Weg nach Deutschland oder Frankreich, samt Gedränge im angeblich so schröcklich überfüllten 8erTram oder Stehen im Grenzstau, vorziehen (auch wenn ein #Neuland-Twitter-Treffen im «Rewääh» ännet der Grenze ja seine Reize hätte ...).

Ein knappes (lohngekürztes?) Haushaltsbudget und andere legitime Gründe können indes durchaus zu günstigem Einkauf im Euroland veranlassen. Die hiesigen Läden haben es in der Hand, ihre Position durch ein attraktives Angebot und die konsequente Weitergabe von Preissenkungen zu stärken.

Ein Teil des Gewerbes benützt stattdessen den tiefen Eurokurs, um sein Uralt-Postulat von längeren Ladenöffnungszeiten via Vorstoss im Grossen Rat wieder aufs Tapet zu bringen. Auch hier will man sich auf dem Buckel des Personals schadlos halten. Das Volk wird auch diesmal Nein zu dieser Zwängerei sagen!