Gemischte Gefühle in der Woche eins nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Frankenkurs freizugeben. Freude herrscht bei vielen Konsumenten. Der 8er nach Weil ist voll, die Schlangen am Zoll sind lang: Viele Schweizer sind von einem Euro-Shopping-Rausch gepackt und stürzen sich in die deutschen Einkaufszentren. Aldi, Rewe, Edeka – beim aktuellen Kurs können sich Mittelstandsschweizer ennet der Grenze plötzlich reich fühlen.

Frust herrscht dagegen bei vielen Ladenbesitzern. Ob grosser Detailhändler oder kleine Buchhandlung – die Läden in der Schweiz sehen sich über Nacht mit so grossen Preisunterschieden konfrontiert, dass so mancher in ersten Reaktionen frustriert den Bettel hinwerfen möchte. Schweizer Läden können so rasch nicht mit den Euroangeboten gleichziehen.

Selbst der FCB verliert mit dem tiefen Euro viel Geld

Ärger herrscht bei grösseren Firmen, die ihr Geld im Export verdienen. Viele von ihnen müssen kurzfristig happige Verluste verbuchen. Beispiel FCB: Unser aller Fussballclub verdient in der Schweiz zu wenig Geld und kompensiert den Verlust mit Einnahmen aus Spielerverkäufen und der Champions League – und nimmt damit über Nacht weniger ein. Zwar sind auch ausländische Spieler billiger geworden, so viele Ausländer braucht der FCB aber nicht.

Auch auf der anderen Seite der Grenze sind die Menschen nicht nur glücklich über die neue Situation. Zwar verdienen Grenzgänger in Euro gerechnet deutlich mehr, offenbar haben die Finanzämter aber rasch geschaltet und ziehen mit Vorab-Steuerrechnungen einen rechten Teil der «Lohnerhöhung» gleich wieder ein. Viele Menschen möchten ins Badische oder ins Elsass ziehen. Das erhöht die Liegenschaftenpreise und setzt die Kommunen unter Druck.

Politiker und Wirtschaftsführer reagieren auf die neue Situation sehr unterschiedlich. Die einen fordern, jetzt auf jeden Fall an den bilateralen Verträgen und der Personenfreizügigkeit festzuhalten. Die Wirtschaft ertrage nicht noch mehr Rückschläge. Andere fordern, ganz im Gegenteil jetzt gerade die Personenfreizügigkeit rasch abzuschaffen, der Arbeitsmarkt ertrage nicht noch mehr Ausländer.

So unterschiedlich die Positionen sind – in einem Punkt stimmen sie überein: in der Ohnmacht. Die kleine Schweiz mag ihre Unabhängigkeit beschwören, sie ist eine kleine Schaluppe, die auf stürmischer See den Wellen ausgesetzt ist. Die Schaluppe ist bisher an den grossen Tanker EU angebunden gewesen und im Kielwasser des Tankers durch die Wellen geschippert. Jetzt hat die SNB das Seil gekappt und die Schaluppe versucht, dem Tanker aus eigener Kraft hinterherzurudern. Wir in Basel sitzen an der Reling und sind der Gischt ganz besonders ausgesetzt. Jetzt müssen alle mit voller Kraft die Riemen pullen, also rudern, was das Zeug hält. Das Problem ist die Grösse der Wellen. Auch wenn wir rasend Wasser schöpfen, es genügt eine grosse Welle und die Schaluppe ist wieder voll Wasser. Not macht, so heisst es, erfinderisch. Die Alternative wäre, die Riemen einzuziehen und sich den Wellen zu überlassen. Not muss, gerade in Basel, erfinderisch machen.

Jammern nützt nichts, ändern können wir die Wellen nicht

Was es jetzt braucht, ist Fantasie. Erfinderische Geistesblitze. Da kann man als Zeitung schwer helfen. Was wir können: von Geistesblitzen berichten. Melden Sie sich deshalb, wenn Sie Ladenbesitzer sind und eine gute Idee haben, wie sie mit neuen Angeboten oder einem speziellen Service die Schweizer Kunden halten möchten. Oder wenn Sie als Firmenbesitzer einen Geistesblitz haben, wie sie der Frankenstärke trotzen. Oder wenn Sie als Kunde die Basler Läden und Gewerbler unterstützen möchten. Wir geben Ihre Idee oder Ihr Angebot gerne unseren Leserinnen und Lesern weiter.