Aus allen Teilen der Welt kommen Studenten nach Basel, um hier Musik zu studieren und sich zum Musiker ausbilden zu lassen. Weltberühmt ist vor allem die Schola Cantorum Basiliensis, die Hochschule für Alte Musik. Seit 1973 bietet die Schule zum Beispiel einen Studiengang an, der sich speziell mit der Musik des Mittelalters und der frühen Renaissance befasst.

Seit 2004 gibt es eine Forschungsgruppe, die sich mit der Improvisation in der Frühzeit der Musik befasst, zum Beispiel mit dem «Präludieren», wie es etwa zu Bachs Zeiten in der Kirche noch üblich war.

Die Hochschule für Musik zieht Menschen aus aller Welt an

Der Hochschule für Alte Musik wegen ist Basel zu einem weltweiten Zentrum für Musiker geworden, die sich mit Alter Musik beschäftigen. In Basel gibt es Instrumentenbauer, welche die historischen Instrumente reparieren können. Es gibt die weltweit besten Spieler von Instrumenten wie Schalmei, Zink oder Theorbe. Es gibt Sänger, welche die alten Techniken beherrschen. Das Problem dabei: Weil die Hochschule Menschen aus aller Herren Ländern ausbildet, sind viele dieser Spezialisten Ausländer. Einige stammen sogar aus Ländern ausserhalb der EU.

Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit hat diesen Musikern bisher relativ grosszügig Bewilligungen erteilt. Damit ist nun Schluss: Rund 50 Musikerinnen und Musiker, die aus Nicht-EU-Staaten stammen, müssen nach Hause reisen. Sie haben jetzt zwar eine Fristerstreckung bis Sommer 2015 erhalten, aber gehen müssen sie. Ein Problem für die Musikstadt Basel.

Das Menschen-Reservoir der Schweiz ist einfach zu klein

Dieses Problem allerdings will Antonina Stoll, Geschäftsleitung des Amts für Wirtschaft, nicht sehen. Sie sei nicht überzeugt, dass man nicht entsprechende Musiker aus der Schweiz oder der EU finden würde, erklärte sie gegenüber Telebasel. Ähnlich argumentieren andere Beamte und auch viele Politiker. Das ist interessant. Denn erstens geht es gar nicht darum, andere Musiker zu finden, weil die Musiker aus Japan, China, Israel oder Südamerika bereits dank ihres Studiums an der Schola hier sind und zweitens ist es interessant, dass in der Musik andere Massstäbe angelegt werden als im Sport.

Als der FCB mit Ägypter Mohamed Salah antrat oder wenn er heute mit Yoichiro Kakitani aus Japan, mit Derlis González aus Paraguay oder Mohamed Elneny aus Ägypten begeistert, sagt niemand, es hätte sicher auch in der Schweiz noch gute Tschütteler gehabt. Jedem Zuschauer ist klar, dass das Schweizer Fussballer-Reservoir einfach zu klein ist, um Mannschaften wie den FCB mit Spitzenkräften zu versorgen. Und der FCB ist, anders als die Schola Cantorum, nicht Weltspitze, sondern liegt im UEFA-Ranking auf Platz 20 der europäischen Mannschaften.

Was für den FCB gilt, das gilt für Musik, Kunst und Theater und natürlich auch für Forschung und Wissenschaft: Die Schweiz bringt viel zu wenig Spitzenkräfte hervor, dass sie an der Weltspitze stehen könnte. Die Schweiz benötigt internationalen Austausch, die Konkurrenz über Landesgrenzen, ja Kontinente hinweg. Wenn wir uns vor dieser Konkurrenz und dem Zustrom an Spitzenkräften verschliessen, stürzt die Schweiz früher oder später auf den Rang, der ihrer Bevölkerungsgrösse entspricht. Das wäre dann je nach Zählung ein Rang irgendwo zwischen dem 80. und dem 90. Platz. Für Menschen, welche unter «Welt» ohnehin nur die Schweiz verstehen, spielt das wohl keine Rolle.

Genau das ist nämlich die Botschaft, welche Basel mit der Ausweisung der 50 Musiker aussendet: Basel will eine Weltstadt sein. Aber bitte nur in Europa. Oder besser nur in der Schweiz.