Nach drei Stunden schweisstreibender Arbeit und ein paar Kraftausdrücken stand es endlich da – unser neues Sideboard im coolen Vintage-Look. Aber irgendetwas stimmte nicht. Ich betrachtete das Möbel von allen Seiten und stellte fest: Die gelbe Schranktür ist es. Die passt ja gar nicht zum Senfgelb des Sofas! Langsam wurde mir bewusst: Das Sideboard ist in seiner gesamten Erscheinung ein Desaster. Die modernen Griffe passen nicht, und das Braun als Hauptfarbe wirkt altmodisch – besonders zusammen mit Parkettboden und Holzesstisch.

Dabei habe ich doch extra im Internet nach dem perfekten Teil recherchiert und bin nicht wie in vielen anderen Fällen zum blau-gelben Riesen gefahren. Ich wünschte, ich könnte das Möbel mit einem Zauberspruch einfach in weiss verwandeln. Doch das geht leider nicht. Also Sideboard abbauen, in den zerschlissenen Karton verpacken und hoffen, dass es der Händler wieder zurücknimmt. Aufwand: nochmals ein halber Tag. Resultat: zwar kein altmodisches Möbel mehr, aber immer noch kein neues Sideboard.

Meinen Eltern wäre so etwas nicht passiert. Etwa alle zehn Jahre sagt meine Mutter zu meinem Vater: «Schatz, wir brauchen ein neues Schlafzimmer.» Zufälligerweise dann, wenn die Muba stattfindet. Es ist ein Leichtes, meinen Vater zur Anschaffung von Doppelbett, Nachttischchen und Tisch zu überreden. Das wissen auch die Möbelhändler und ziehen alle Register. An der Messe siehst du halt gleich, was du kaufst. Aber so eine Muba schätzen offenbar immer weniger Leute.

Deshalb findet die «Mutter aller Messen» nun nach 102 Jahren zum letzten Mal statt. Ich muss zugeben: Auch ich war seit Ewigkeiten nicht mehr dort. Ausser 2017 an der Lego-Ausstellung. Weil ich für ein Magazin einen Bericht darüber schreiben musste. Den Rest der traditionellen Messe liess ich aus. Und das nicht mal bewusst.

Als Kind war die Muba für mich ein Highlight. Überall gabs Spiele und Wettbewerbe. Am Schluss durfte man seine Taschen mit Dääfeli füllen und erhielt Werbegeschenke wie Kugelschreiber oder einen Wasserball. Als Eisenbahnfan beeindruckte mich, wie die SBB mit ganzen Zügen auffuhr. Lustig war auch, den Ausstellern zuzusehen, wie sie ihr Arsenal an Küchenmessern präsentierten. Später fand ich es toll, an den Ständen Berufe auszuprobieren oder Popsternchen auf der Bühne zu bewundern. Möbel interessierten mich auch.

Ein ganzes Schlafzimmer gab es für mich allerdings nie. Höchstens mal einen Kleiderkasten. Vom «Studio» mit Schrankbett und integriertem Tisch rieten mir meine Eltern ab. Damals in den 90s war ich enttäuscht. Später war ich ihnen dankbar. Inzwischen haben wir übrigens ein weisses Vintage-Sideboard gefunden. Online. Die Muba besuche ich dieses Jahr trotzdem. Um der «Mutter aller Messen» Adieu zu sagen.