Der Verwaltungsrat des Theater Basel und der Regierungsrat zeigen Mut. Mut zur Kunst. Mit Benedikt von Peter holen sie einen Theatermann nach Basel, der leidenschaftlich an einer Ausweitung der theatralischen Mittel arbeitet.

Das von ihm in Bremen und Luzern erfolgreich entwickelte Raumtheater durchbricht herkömmliche Hierarchien. Beispielsweise jene des klassischen Arrangements von Bühne und Zuschauerraum. Der 41-Jährige sagt deutlich, dass es an seiner Generation liege, das Theater jenseits des klassischen Kanons für das 21. Jahrhundert fit zu machen.

Die Frage, ob das Dreispartenhaus in Basel von einem Opern- oder einem Schauspieldirektor geprägt wird, könnte mit von Peter überflüssig werden. In Luzern probt er bereits die Durchmischung, bringt Tänzer, Schauspieler und Sänger zusammen. «Spartenübergreifend arbeiten», mit diesem Schlagwort wirbt manch neuer Intendant. Bei von Peter ist diese Vorgehensweise Programm. Er nennt es aber lieber integratives Theater. Der Regisseur
weicht die klassischen Genregrenzen auf. Bei ihm kann es schon mal sein, dass Verdis «Traviata» von einer einzigen Sängerin gespielt wird. Oder der Titelheld in «Don Giovanni» gar nicht auftritt. Oder Goethes «Faust» das Publikum aus dem Zuschauerraum auf den Platz vor dem Theater führt.

Im wesentlich kleineren Betrieb des Luzerner Theaters hat von Peter schon mal durchgespielt, was es bedeutet, ein klassisches Dreispartenhaus neu zu definieren. Dafür hat er intern einige alt hergebrachte Strukturen zugunsten seines künstlerischen Programms aufgebrochen. Kritiker und Publikum danken es ihm mit begeistertem Zuspruch.

Eine «strahlkräftige Weiterführung» des Theater Basel wünscht sich der Verwaltungsrat. Mit von Peter setzt er auf Innovation. Das ist gut für die Kunst. Dem frisch Gekürten ist bewusst, dass die Messlatte hoch liegt. In einem erfolgsverwöhnten Haus wird es schwieriger sein, alte Zöpfe abzuschneiden. Und es gilt, den Spagat zwischen künstlerischer Qualität und Publikumswirksamkeit zu üben. «Mit Theater Kasse zu machen, ist extrem schwierig», weiss von Peter. Die unterschiedlichen Interessensgruppen eines Dreispartenhauses müssen stets aufs Neue gewonnen werden. Das strapaziert das Marketingbudget und schmälert jenes für die Kunst.

Der Verwaltungsrat des Theaters hofft, dass die Regierung diesem anspruchsvollen Weg in die Zukunft den Rücken stärkt. Das Subventionsgesuch für die nächste Periode liegt auf dem Tisch.