Nein, der 31. Dezember ist nicht das Ende. Ja, das Jahr ist fertig, ein neues beginnt – aber es ändert sich: nichts! Schaue und höre ich mich so um, bekomm ich das Gefühl, jeder und jede meint, er oder sie müsse am 1. Januar 2018 von vorne beginnen. Als ob im alten Jahr noch alles erledigt werden und jedes ohnehin längst fällige Gespräch geführt werden müsste. Als ob jeder Arzttermin vereinbart und sämtliche Ferien gebucht werden müssten. Als ginge all das im Januar nicht mehr, als würde einen der Monat knebeln und an allem hindern. Als dürfte man nur im Dezember aufräumen im übertragenen, aber auch im wahren Sinn. Aber wissen Sie was? Das stimmt nicht. Ein paar Feuerwerke zwischen den Jahren, Champagner vielleicht, eine Tischbombe und ein Schnauz zum Aufkleben – und danach: courant normal.

Es gibt nur einen Grund, in diesen Tagen nervös zu sein: die eigene Familie. Die meisten von uns treffen sich an Weihnachten mit ihr. Alle kommen zusammen, total gestresst von der Dezember-Apokalypse, müde und erschöpft und voller Vorfreude auf die Erholung vor dem Fernseher. Was sagt uns das? Wenn ein Dutzend gestresster Menschen zusammenkommt, und dies an einem Abend, der heilig heisst und sein soll, ist die Gefahr sehr gross, dass sich der Stress in Aggression wandelt. Zumal es sich bei den Gruppen oftmals nicht um freiwillig gewählte Personen handelt, sondern um Schicksalsgemeinschaften der blutsverwandten und eingeheirateten Art. Also auch ohne nervöse Grundstimmung eine explosive Mischung. Drum mein Rat: Beruhigt Euch, kommt runter, verschiebt Dinge auf Januar und freut euch auf gutes Essen.