Pro: Eingeschränkter Blick durch die Windschutzscheibe

Die Leimentaler wissen: Der Margarethenstich ist als zukunftsorientierte Verbindung unverzichtbar.

Eine schnelle und direkte Tramverbindung zwischen dem Leimental und dem Bahnhof SBB wird von den Leimentalern seit Jahrzehnten gefordert. Mehr als 60 000 Menschen wohnen in unserem stadtnahen Tal und 20 000 Fahrgäste nutzen täglich die Tramlinien 10 und 17 Richtung Zentrum. Die neue Linienführung des Trams 17 über den Margarethenstich stellt nun eine umsteigefreie Direktverbindung zu den wachsenden Arbeitsplatzzentren der Stadt und zu den Verkehrsdrehscheiben Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof in Aussicht. Die beiden Basel sind sich dabei einig und die Finanzierung ist gesichert. Der Bund hat Beiträge von rund 7,1 Millionen Franken zugesichert. Baubeginn ist voraussichtlich im Jahr 2018 und die Tramverbindung sollte Ende 2020 in Betrieb genommen werden.

So weit, so gut, wenn da nicht das Referendum gegen dieses Projekt ergriffen worden wäre. Interessant ist, dass selbst die Gegner Handlungsbedarf sehen und dass auch sie eine Entflechtung der Linien 10 und 17 in der Innerstadt wollen. Ihre Argumente gegen das vorliegende Projekt sind nicht wirklich stichhaltig. Zunächst wurde der permanente Verkehrsstau heraufbeschworen, was Verkehrsplaner mit Verkehrszählungen und Simulationen widerlegt haben. Wer sich verkehrspolitisch zu Wort meldet, sollte sich von einer Gesamtsicht und überwiegenden Interessen leiten lassen und nicht von lokalpolitischen Überlegungen und eingeschränktem Blick durch die Windschutzscheibe.

Die Leimentaler wissen: Der Margarethenstich ist als zukunftsorientierte Verbindung unverzichtbar. Im einzigen grossen Baselbieter Tal ohne Regio-S-Bahn muss der öffentliche Verkehr so effizient wie möglich auf Tramschienen bewältigt werden. Alle Leimentaler Gemeinden setzen sich geschlossen für den Margarethenstich ein. Eine neue Haltestelle auf der Margarethenbrücke wird mittelfristig einen direkten Zugang vom Tram zu den Perrons ermöglichen.

Mit dem Margarethenstich gelangt der 17er nicht nur direkt zum Bahnhof SBB. Er fährt künftig von dort aus über den Wettsteinplatz und die Messe Basel zum Badischen Bahnhof. Wer sich mit der Arbeitsplatzentwicklung im Gebiet der Roche befasst, der weiss, dass in den nächsten Jahren mehrere Tausend Arbeitsplätze auf diesem Areal konzentriert werden. Die Antwort auf eine effiziente Verkehrsanbindung dieses Arbeitsplatzgebietes ist ebenfalls: Ja zum Margarethenstich.

Kontra: Nein zu den Millionen-Minuten beim Margarethenstich

Der Margarethenstich ist eine gewaltig teure Zwängerei. Wir haben dieses Geld nicht.

Umsteigefrei per Tram zum eigenen Arbeitsplatz fahren, wer wollte das nicht? Man stelle sich vor: Alle fordern dies mit gleichem Recht ein. Ob aus dem Birseck, dem Leimental, aus Muttenz und so weiter. Utopisch, nicht wahr? Und es geht aus meiner Sicht letztlich auch nicht für das Leimental. Nicht alle Leimentaler, die den öV benutzen, arbeiten beispielsweise bei Roche. Nicht alle Leimentaler, die eine Linie der BLT benutzen, wollen direkt zum Bahnhof SBB und dann allenfalls weiter in ein bestimmtes Quartier im Kleinbasel.

Halten wir fest: Aus dem Leimental besteht schon heute mit dem 10er-Tram eine gute Direktverbindung zum Bahnhof SBB. Umsteigefrei. Und nun soll ein millionenteures Projekt via Margarethenstich fünf Minuten Zeitgewinn bringen? Es ist eine theoretisch berechnete Grösse, die in der Wirklichkeit des Alltags nicht funktionieren wird. Hier leisten wir uns «Millionen-Minuten» für eine unbestimmte Anzahl Menschen, die den öV im Leimental benutzen.

Dass durch diese Linie rund 1000 Personen auf den öV umsteigen werden, ist eine Behauptung. Belegt ist diese Zahl nicht. Heute benutzen rund 70 Prozent der Leimentaler das Auto, um zu ihrem Arbeitsort zu gelangen. Viele wollen nicht nach Basel, sondern so schnell wie möglich durch Basel, um an verschiedenste Orte der Schweiz zu gelangen. Es brauchen also längst nicht alle Leimentaler eine direkte Anbindung ans Eisenbahnnetz.

Der Margarethenstich ist eine gewaltig teure Zwängerei. Allein die wellenförmige Stützmauer, «die den neuen Verbindungsraum zwischen Stadt und Land thematisiert», wäre in Sachen Geldverschleuderung eine eigene schlagzeilenträchtige Geschichte wert. Das Pro-Komitee behauptet, es gebe keine unzumutbaren Nachteile für Autofahrer. Genau aus diesem Grund stellt sich für mich folgende Frage: Wieso um alles in der Welt ist es heute nicht mehr zumutbar, auf dem Weg zur Arbeit einmal umsteigen zu müssen? Das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit Ausgaben von rund 14 Millionen allein für den Kanton Baselland (total sind es über 20 Millionen) ist für mich nicht vertretbar. All jenen, welche fünf Minuten Zeitgewinn bis zum Bahnhof SBB so dringend brauchen und zusätzlich Umsteigefreiheit fordern, schlage ich eine kostenlose andere Lösung vor: am Morgen ein paar Minuten früher aus den Federn.

Nein zum teuren Projekt Margarethenstich. Wir haben dieses Geld nicht.