Wenn was lange währt, wirklich gut wird, dann steht der Basler Museumslandschaft ein Geniestreich in die Häuser. Seit Jahren wird in der Abteilung Kultur an einem Papier zur Museumsstrategie herumgeschustert. Es hiess lange wahlweise «Gesamtkonzept», «Globalkonzept» oder einfach «Konzept». Dann wurde es 2013 zur «Museumsstrategie, vormals Museumskonzept». Hier soll eine generelle Strategie für alle Basler Museen festgelegt werden. Klargemacht werden, was ihr Sinn ist, wo sie zusammenarbeiten sollen und müssen. 

Dieses Phantom-Konzept, das seit Jahren in jeder grösseren Diskussion um Museen auftaucht und von Regierungspräsident Guy Morin immer wieder in Aussicht gestellt wird, huscht auch jedes Mal durch den Grossratssaal, wenn es um die Subventionen für die fünf staatlichen Museen geht. Insbesondere die Bürgerlichen hätten so gerne eine Gesamtschau, in der der Kanton seine museumspolitischen Absichten kundtut. Sie versprechen sich davon mehr Übersicht, vor allem aber wohl mehr Klarheit über die Geldflüsse. Und, wie es beispielsweise letztmals anklang, als es um das Jüdische Museum der Schweiz ging, würden sie über ein klares Konzept auch gerne mehr konzeptuelle Klarheit in die einzelnen Häuser bringen, die sie unter den Generalverdacht des «Herumwurstelns» stellen. Mit welcher Qualifikation die Politiker das tun, bleibt zumeist eine unbeantwortete Frage. 

Das lange erwartete Konzept soll gemäss Präsidialdepartement vier Hauptziele erreichen: Die «Profilschärfung der Museen mit einer Gewichtung der Kernaufgaben», die «Festigung der Publikumsorientierung vor dem Hintergrund veränderter Erwartungshaltungen», die «Entwicklung programmatischer Strategien für Dauer- und Sonderausstellungen» und die «Entwicklung von zukunftsfähigen Museumsstrukturen und Optimierung von Führung, Management und Finanzierung». Das Problem: Was sich hier die einen erhoffen, nämlich klarere Strukturen und Geldflüsse, und das, was immer wieder durchklingt, wenn Guy Morin über sein Museumskonzept spricht, scheinen zwei verschiedene Paar Schuhe zu sein. 

Den Bürgerlichen geht es bei der Strategie vor allem ums Geld. Sie wollen sozusagen ein Globalbudget für die Museen insgesamt, eventuell noch Globalbudgets für die einzelnen Museen und bessere Zusammenarbeit an den administrativen Schnittstellen. Aber wenn Guy Morin über seine Vorstellungen einer zukünftigen Museumslandschaft spricht, dann kommt manch einem der leise Verdacht auf, dass hier nach Kräften zentralisiert werden soll, würde es nach dem Regierungspräsidenten gehen. Die Argumente, die er in den Grossratsdebatten gegen das Sportmuseum ins Feld führte und dafür, dessen Arbeit in diejenige des historischen Museums aufgehen zu lassen, könnte man problemlos auf ein Dutzend andere Museen anwenden. Es droht eine Zentralisierung und damit potenziell auch ein Verlust an spezifischem Fachwissen. Denn nicht jeder Mittelalter-Historiker weiss auch über Sportgeschichte oder andere Spezialgebiete Bescheid, selbst wenn sie «seine» Zeitepoche mitbetreffen. Nur weil etwas in der Vergangenheit geschehen ist, ist es noch lange nicht ein Job für jeden Historiker. Darum gibt es ja auch unterschiedliche Fachrichtungen. 

Doch die Problematik geht viel tiefer als die blosse Organisationsebene. Erinnern wir uns zurück an die Wirren rund um die Museumsdirektorin Marie-Paule Jungblut und die inhaltlichen Diskussionen bei ihrer Wahl. An den Satz, den Morin ihrem Vorgänger Burkard von Roda zu dessen Abgang mitgab: «Ich freue mich, Sie verabschieden zu können.» Und die seither andauernde Debatte, ob das nun erfreuliche Ehrlichkeit oder eine Freud’sche Fehlleistung war. Morins Vorstellungen von einer staatlich gelenkten, erzieherisch-schulmeisterlichen Museumskultur schlagen immer wieder voll durch. Da wird aus dem Historischen Museum – das Feuerwehrmuseum, Sportmuseum, jüdisches Museum und andere vereinnahmt – dann wohl das «Museum für Mensch, Gesellschaft und Umwelt», in dem Themen entlang von Zeitachsen pädagogisch wertvoll aufbereitet werden. Das ist oft eine sehr gute Idee. Manchmal ist es aber auch wichtig, Ausstellungsstücke zwar zueinander in Verbindung und in einen grossen Kontext zu stellen, aber eben gerade auf die Kommentierung zu verzichten. Vor allem aber sind Museen nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Archive und Forschungseinrichtungen. 

Vielleicht wäre es besser, das Konzept liesse noch sehr lange auf sich warten.