Die achteckige romanische Kirche von Ottmarsheim ist eine der architektonischen High-lights des Elsass. Gestiftet hat sie der Habsburger Rudolf, geweiht 1049 Papst Leo IX. Danach wurde sie mehrmals verwüstet. 1445 und 1446 waren die Basler dafür verantwortlich. Die Klosterkirche in Form eines Oktogons liegt 30 Kilometer nördlich von Basel in der Nähe des Rheins.

Die Geschichte des Kleinods wird im kurzweiligen und gut gemachten Comic «La Dame d'Ottmarsheim» dargestellt. Als Kunstgriff haben die Autoren die attraktive, junge Restauratorin Anna erfunden, die an den Fresken in der Kirche arbeitet und die verschiedenen Ereignisse de facto in Echtzeit miterlebt.

Den Lesern werden so langatmige historische Schilderungen erspart. Wer Näheres erfahren will, kann sich auf mehreren ganzseitigen Textseiten über Themen wie den Ort Ottmarsheim, den Stammbaum der Habsburger, die Fresken oder die Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert informieren.

Publiziert hat den Band der Strassburger Verlag «Editions du Signe». In Basel kann ihn der Comix Shop besorgen. Als Comic erschienen sind im Verlag auch eine zwölfbändige Serie über die Geschichte des Elsass, Alben über die Sternebeiz «Auberge de l'Ill», die Geschichte Strassburgs oder Colmars.

Die Idee für den Band über die Ottmarsheimer Kirche stammt ursprünglich vom Maire der 2000-Einwohner-Gemeinde. Die Umsetzung dauerte ein Jahr – geholfen hat dabei, dass mit Thierry Wintzner ein Mitarbeiter der Mairie für das Szenario verantwortlich zeichnet, der sich sehr gut mit der Geschichte der Kirche auskennt.

Die französische Ausgabe ist in einer Auflage von 2500 Exemplaren erschienen. Die deutschsprachige Ausgabe ist vergriffen, soll aber in Kürze wieder aufgelegt werden. «Wir wussten nicht, ob das funktioniert und haben nur 500 Stück produziert. Die waren alleine schon wegen des Weihnachtsmarkts in der Kirche mit den vielen deutschen Besuchern schnell weg», berichtet Marc de Jong, der für die Produktion verantwortlich war.

Die historischen Comics des Verlags wenden sich an ein erwachsenes Publikum. Die «Bandes dessinées», wie sie in Frankreich heissen, werden dort seit vielen Jahren als Kunstform anerkannt und als «9ème art» bezeichnet.

Da verwundert es nicht, dass ein Star-Autor wie Mathieu Sapin für eine Langzeitbeobachtung zwei Jahre lang im Pariser Elysée-Palast ein- und ausgehen durfte. Daraus entstand «Le Chateau – Ein Jahr in den Kulissen des Elysée.» Als Fan von Sapin hat sich auch Präsident Emmanuel Macron geoutet und kürzlich widmete die renommierte deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» ihm eine ganze Seite – wohlgemerkt im Feuilleton.

 peter.schenk@bzbbasel.ch