Gleich zwei Basler Orchester waren in der vergangenen Woche zu Gast in der vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron erbauten Elbphilharmonie in Hamburg. Zuerst stand das Kammerorchester mit «Don Giovanni» von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm, ein paar Tage später das Sinfonieorchester mit «Das Lied von der Erde» von Gustav Mahler.

Der Kanton Basel-Stadt nutzte die Gelegenheit, pflegte den «fachlichen Austausch in den Bereichen Kulturmarketing und Museumspolitik» und warb mit Inseraten für «Basel, die Kulturhauptstadt der Schweiz».

Angesichts der Situation, dass in Basel zu viele Künstler für zu wenige Bühnen und zu viele Bühnen für zu wenig Publikum produzieren, ist die Absicht nicht falsch, neue Besucher zu gewinnen. Geworben wurde in den Inseraten aber nicht etwa für die Musikstadt Basel, sondern für die Museumsstadt Basel: «Kunst in Kunstobjekten auszustellen, hat in Basel Tradition». Das ist symptomatisch für die Kulturpolitik, die sich seit Monaten beinahe ausschliesslich um die staatlichen Museen dreht.

Während sich das Kammerorchester Basel und das Sinfonieorchester Basel in der Elbphilharmonie die Klinke in die Hand gaben, bewilligte der Grosse Rat Ausgaben von über 214 Millionen Franken für den Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs Basel-Stadt. Viele Grossräte knirschten laut mit den Zähnen, viele machten die Faust im Sack. Wie meistens folgte aber eine deutliche Mehrheit dem Regierungsrat und der Verwaltung, die nicht müde wurden, ihre Kulturpolitik als alternativlos zu verkaufen.

In der Basler Kulturpolitik besteht jedoch dringender Diskussionsbedarf. Vor einigen Jahren wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache «alternativlos» zum Unwort des Jahres. Das Wort suggeriere sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe; Behauptungen dieser Art drohten, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.

Nur wer den eigenen Argumenten nicht traut, versucht, eine Diskussion zu verhindern. Nur wer die eigenen Ideen für selig machend hält, verweigert sich der gemeinsamen Suche nach Alternativen.

Dass keine wirkliche Diskussion geführt wird, darf man aber nicht allein dem Regierungsrat und der Verwaltung anlasten. Auch die grossrätliche Bildungs- und Kulturkommission, die meisten Parteien und die vielen Kulturpolitiker waren bisher nicht willens oder nicht fähig, Alternativen vorzuschlagen. Wie gross das Vakuum ist, beweist, dass ausgerechnet die SVP Basel-Stadt, bei der Kulturanliegen in der Vergangenheit wenig Gehör fanden, vor einigen Tagen ein Positionspapier zur Kulturpolitik veröffentlicht hat.

Das sollte alle anderen dazu veranlassen, ihre Hände aus den Taschen zu nehmen und sich selber mit konkreten Vorschlägen in die Diskussion einzubringen. Ich freue mich darauf.

 

*Tobit Schäfer arbeitet als Strategie- und Politikberater. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich in verschiedenen Kulturinstitutionen. Während 13 Jahren politisierte er für die SP im Grossen Rat.