Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.» Der grossartige Karl Valentin hätte den gestrigen Eiertanz der Basler SP im Grossen Rat meinen können, hätte er den Satz nicht schon vor rund hundert Jahren formuliert. Eigentlich hätte man die berühmte BVB-Million als Nachtragskredit ins Parlament bringen mögen, wie es die Bürgerlichen forderten. Doch dürfen haben sich die Sozialdemokraten nicht mehr getraut, nachdem an der montäglichen Fraktionssitzung die Angst vor dem Verlust eines Regierungssitzes geschürt worden war.

Stattdessen packten die Genossinnen und Genossen ihre Kritik an Baudirektor Hans-Peter Wessels in Watte. Fehlleistungen sahen sie nur noch dort, wo Wessels sie bereits eingeräumt und Besserung gelobt hatte. Sie stellten sich schützend vor ihren angeschossenen Magistraten. Die zum Teil überzogenen Attacken der Bürgerlichen blieben ohne politische Folge. Ihr Antrag wurde abgelehnt. Damit ist Wessels zwar nicht aus dem Schneider, aber zumindest muss er nicht befürchten, erneut verbal massakriert zu werden.

Die SP-Fraktion handelte nicht aus Mitleid, sondern aus machtpolitischem Kalkül. Tat also genau das, was sie der bürgerlichen Seite unterstellte. Eine weitere Demontage Wessels’ könnte tatsächlich zu dessen Rücktritt führen. Und die Ersatzwahl zu einer bürgerlichen Mehrheit im Regierungsrat. Da lässt man eine Million lieber ungerade sein. «Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische», sagt Karl Valentin. Recht hat er.