Die Ferien sind vorbei. Das Jahr aber erst eine Woche alt. Es bleiben also 51 Wochen Zeit für das Kulturprogramm 2018. Wir könnens somit geruhsam angehen. Kunst und vor allem das Theater haben ja den Vorteil, nicht der Aktualität im Twittertakt folgen zu müssen. Sie können die News-Tsunamis an sich vorbeiziehen lassen und dann im Rückblick und mit Überblick ein genaueres Bild zeichnen.

Aber das sehen die Theater in der Stadt und auf dem Land anscheinend anders. Laut ihren Spielplänen läuft die Zeit für Premieren demnächst aus. Man könnte meinen, es drohe ein weiteres Sturmtief oder Subventionsentzug. Wie sonst ist es zu erklären, dass diese Woche gleich sechs Premieren anstehen? Dienstag in der Kaserne, Mittwoch im Vorstadttheater, Donnerstag im Schauspielhaus, im Palazzo und im Neuen Theater, freitags dann noch eine Oper auf der grossen Bühne.

Dichtestress für die Premierengänger also. Vier Abende nacheinander ins Theater gehen und doch noch nicht alles gesehen haben, das frustriert. Die Theater argumentieren, dass sie ja unterschiedliche Publika bedienen würden. So spricht aber nur, wer gerne in seiner eigenen Bubble sitzen bleibt. Und die Frage sei erlaubt, ob im Zeitalter von Google nicht eine bessere Koordination möglich wäre. Schliesslich schaden sich die Theater mit einer solchen Nicht-Koordination selbst. Sie buhlen um Aufmerksamkeit und wundern sich dann, dass der Kritiker nicht bei ihnen, sondern bei der Konkurrenz war. Die Kulturredaktionen können davon ein Lied singen.

Darum, werte Theaterdirektorinnen und -direktoren: Der nächste Januar kommt bestimmt und mit ihm die Chance, es besser zu machen. Schauen sie doch im Voraus schon mal, was die Kollegen so planen. Ermöglichen Sie uns mit ein wenig Koordination den Besuch aller Premieren. Gelassenheit und Weitsicht sind doch die Stärken Ihrer Kunst.