In Basel hat es diesen Sommer gebrannt. Mehrfach. Im Hafen, beim FCB, der BVB und der SVP. Doch das mit Abstand grösste und gefährlichste Feuer lodert auf dem Messeplatz. Und es hat das Potenzial, zu einem Flächenbrand zu werden.

Noch sind jene Stimmen in der Mehrheit, die der MCH Group die Stange halten und an der staatlichen Beteiligung festhalten wollen. Jedenfalls in Basel-Stadt und in Kanton und Stadt Zürich. Das hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Von den Messen profitieren zahlreiche Zulieferer sowie Hotellerie und Gastwirtschaft. Zudem haben die Städte kein Interesse daran, auf riesigen Immobilien sitzen zu bleiben, die nur schwer umgenutzt werden können. Der Kanton Baselland hat da deutlich weniger zu verlieren, weshalb dort die Rufe nach einem Verkauf der Aktien lauter sind.

Rein ordnungspolitisch ist die staatliche Beteiligung an einem privaten Unternehmen tatsächlich fragwürdig. Sie kann mit einem Blick zurück gerechtfertigt werden. Am Anfang stand die Mustermesse, die 2019, im 103. Jahr ihres Bestehens, sanft entschlafen wird. Sie war mehr als eine Warenmesse. Sie war eine Leistungsschau schweizerischen Schaffens, ein Präsentierteller einheimischer Konsumgüterproduzenten. Der Besuch war patriotische Pflicht, gerade auch in den dunkelsten Jahren der europäischen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Symbol des Wirtschaftswachstums. Die Besucherzahlen explodierten.

Basel, sonst unter Nichtbeachtung leidend, stand für ein paar Tage im Jahr im Zentrum der Schweiz. Das tat der lokalen Seele gut, was wiederum dazu führte, dass die Messe mehr und mehr zum gesellschaftlichen Stelldichein wurde mit der legendären Degustationshalle im Mittelpunkt. Die Muba war (neben dem Hafen) Basels Beitrag zur nationalen Kohäsion und somit irgendwie eine Staatsaufgabe.

Im Windschatten der Muba entwickelte sich die Firma dahinter zum internationalen Player. Erst, indem die Welt nach Basel an die Uhren- und Schmuckmesse sowie die Art Basel geholt wurde, dann, indem man in die übrige Schweiz und ins Ausland expandierte. Mit Art-Ablegern und Zukäufen sowie mit Mandaten in Zürich und Lausanne emanzipierte sich die MCH Group vom angestammten Messeplatz. Allerdings nicht, ohne sich währenddessen ein 430 Millionen Franken teures Denkmal zu setzen. Das Elefantenklo, wie der prächtige Bau von Herzog & de Meuron im Volksmund genannt wird, sollte dem entsprechen, was im Innern feilgeboten wurde: Luxusuhren und Accessoires. Das 2013 eingeweihte Mammutprojekt hielt selbst den Volksabstimmungen in den beiden Basel stand, was zeigt, welch starke Ausstrahlung die Messe damals noch immer hatte. Und welch starke Fürsprecher, nicht zuletzt dank der Staatsbeteiligung.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heute ist völlig unklar, wie es mit dem Messeplatz Basel weitergeht. Die Basel World befindet sich im Kriechgang, die Art Basel hat den Zenit erreicht und selbst die Swissbau beklagt das Abspringen treuer Ausstellern. Die MCH Group versucht unter anderem mit einer neuen, auf ein gut betuchtes Publikum schielenden Automesse, die Anfang September stattfindende Grand Basel, neues Leben in die unternutzen Hallen zu bekommen. Selbst wenn das neue Angebot funktioniert, ändert das nichts am Befund. Die Zukunft der Firma liegt nicht in Basel. Nach dem Abgang von CEO René Kamm und der nicht mehr ewig dauernden Amtszeit von Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer ist deshalb zu erwarten, dass das künftige Führungspersonal nicht zwingend einen Basler Background haben muss. Es wäre logisch, wenn die MCH Group den umgekehrten Weg des «neuen» FC Basel gehen würde, nämlich weg von der Region.

Spätestens dann stellt sich die Frage der Staatsbeteiligung in aller Dringlichkeit, sofern der Aktienkauf genügend Geld abwirft, um die mutmasslichen Folgekosten dieser Entwicklung decken zu können. Es kann nicht im Interesse der beteiligten Kantone (und der Stadt Zürich) sein, auf einem Geschäft sitzen zu bleiben, das keines mehr ist, und gleichzeitig die Risiken von Auslandengagements mit ungewissem Ausgang mitzutragen. Im Falle von Basel-Stadt dürfte es Herausforderung genug sein, die Messeinfrastrukturen sinnvoll weiter zu nutzen. Denn anders als der Bau von Herzog & de Meuron signalisiert, ist Basel keine Weltstadt.

Auf der anderen Seite ist jetzt die Zeit, auch mal eine Nummer kleiner zu denken. Gegen die Digitalisierung ist kein Kraut gewachsen. Doch das Bedürfnis der Menschen, zusammenzukommen, um gemeinsam etwas zu erleben, ist nach wie vor da. Das wissen die Messemacher und werkeln im Geheimen an einer neuen Art von Muba. Eventuell sind sie sogar auf die Idee gekommen, Zwischennutzungsexpertinnen und andere kreative Köpfe beizuziehen. Daran fehlt es in der (Dreiland-)Region gewiss nicht. Wer weiss, vielleicht entsteht so die Mutter moderner Messen.