Es war in der Garderobe nach dem Sportunterricht irgendwann Ende der 90er-Jahre. Zwei Schulkollegen unterhielten sich gerade über aktuelle Filme. Ich hörte nur mit einem halben Ohr hin, als plötzlich der eine meinte: «Alter, war ich geschockt, als ich gecheckt habe, dass Bruce Willis die ganze Zeit tot war.» Meinen geplanten Kinobesuch am selben Abend hätte ich ebenso gut streichen können. Die einzige Pointe, die «The Sixth Sense» schauenswert machte, war ja jetzt verraten. (Ich hoffe übrigens inständig, dass Sie den Film bereits gesehen oder kein Interesse daran haben, verehrter Leser.)

Spoilern nennt sich das auf Neudeutsch. Und wenn meine Erfahrung vor zwei Jahrzehnten noch als Künstlerpech abgetan werden konnte, so ist der durchschnittliche Zuschauer heutzutage absolut chancenlos. Das begann bereits, als 2007 eine Gratiszeitung am Erscheinungstag des letzten Harry Potters dessen Ende auf der Frontseite verkündete.

Durch die Allgegenwart des Internets hat das Spoiler-Problem gigantische Ausmasse angenommen. Es gibt kein Entrinnen. Jeder Blick auf das Smartphone wird zum Spiessrutenlauf, kaum hat man eine Folge seiner Lieblingsserie ein paar Stunden aufgespart. Mittlerweile gibt es für Internetbrowser bereits Zusatzprogramme, welche auf Befehl Infos zu aktuellen Fernsehserien schwärzen.

PS: Nächste Woche startet die letzte Staffel der Serie Game of Thrones. Bitte wundern Sie sich nicht, wenn ich ab dann weder Mails, noch Facebook-Nachrichten, noch SMS lese oder beantworte.