Es ist sinnvoll, auf dem Margarethenstich 365 Meter Tramgleis zu verlegen. Die Befürworter haben allerdings Mühe, dies zu vermitteln. Denn das gegnerische Komitee leistet gute Arbeit.

Die Fixierung auf die verkürzte Anreise zum Bahnhof SBB, die Besetzung des Margarethenstichs als Luxusprojekt, das Ausspielen von Ober- gegen Unterbaselbiet, die Warnung vor Staus – die Schachzüge der Gegner sind geschickt. Nur zerfallen ihre Argumente bei näherer Betrachtung in sich selber.

Dass der Margarethenstich eine schnellere Verbindung zum Bahnhof SBB schafft, prägt den Abstimmungskampf. Dabei geht es um viel mehr. Sicher ist die schnellere Anbindung an den Bahnhof für die Leimentaler Pendler attraktiv. Entscheidend ist aber, dass der 17er von dort weiter zu den grössten Arbeitsplatzgebieten der Stadt fährt, etwa an den Wettsteinplatz, die Messe oder den Badischen Bahnhof. Damit würde der 17er wieder den Zweck erfüllen, den er bei seiner Einführung vor 30 Jahren hatte. Damals erschloss er die grossen Arbeitgeber im Klybeck, die es dort heute zum grossen Teil nicht mehr gibt. So musste die BLT 2013 feststellen: Nur noch sieben Personen pro Tram fahren vom Leimental aus weiter über die Mittlere Brücke. Deshalb kürzte sie die Linie: Am Morgen fährt der 17er nur noch bis zur Schifflände.

Natürlich gelangen die Leimentaler schon heute an die neuen wichtigen Arbeitsplatzgebiete. Dazu müssen sie jedoch umsteigen. Dass dies ein Hemmnis ist, stellen öV-Anbieter immer wieder fest. Wer direkt ans Ziel gelangt, lässt das Auto eher stehen. Deshalb rechnet die BLT mit 1000 Personen pro Tag, die dank der neuen Verbindung künftig das Tram statt des Autos nehmen. Eine Entlastung der Strassen, die dem Leimental guttun würde. Die Gegner stellen die Zahl der Umsteiger zwar in Abrede. Die BLT kann aber Erfahrungswerte vorweisen: Als etwa der 10er neu an den Bahnhof SBB geführt wurde, stieg die Anzahl Passagiere innert zwei Jahren um 1,2 Millionen.

Da mutet es komisch an, dass gerade die Gegner mit Stau argumentieren. Sie sagen: Damit das Tram über den Margarethenstich fahren kann, muss es zwei Hauptstrassen kreuzen. Das macht Ampeln nötig, die wiederum die Autos aufhalten. Das ist nicht abzustreiten. Aber Verkehrsplaner haben mit Verkehrszählungen und Simulationen gezeigt, dass die Rotphase bei der Haltestelle Dorenbach pro Querung 25 Sekunden dauern wird. Pro Stunde kommt es zu maximal 16 solcher Unterbrechungen. 52 Minuten pro Stunde fliesst der Verkehr also ganz normal. Ein kleiner Preis für die zu erwartende Verkehrsentlastung.

Die Gegner verkaufen den Margarethenstich als Luxusprojekt – ein dehnbarer Begriff. Um das einzuschätzen, muss man Kosten und Leistung in ein Verhältnis setzen. Und da liegt schon die erste Hürde: Geht es um die Kosten, sprechen die Befürworter von 7,3, die Gegner von 14 Millionen. Das Referendum betrifft zwar tatsächlich einen Kredit über 14 Millionen. Davon übernehmen der Bund und die BLT aber einen Anteil, sodass noch 7,3 Millionen für den Kanton übrig bleiben. Bei einem Nein würden die Bundesgelder nicht eingespart, sondern in ein Projekt in einem anderen Teil der Schweiz fliessen.

Im Leimental leben 60 000 Menschen – 20 Prozent der Kantonsbevölkerung. Gut 8000 sollen dereinst täglich die Linie 17 benutzen, die über den Margarethenstich fahren würde. Setzt man die Bevölkerungszahl ins Verhältnis zu den Kosten, sind diese verschwindend klein. Vor allem wenn man sie in Bezug setzt. Etwa zu den 300 Millionen Franken, die in die Waldenburgerbahn (WB) gesteckt werden, von der rund 10 000 Personen profitieren. Die WB befördert gemäss BLT rund zwei Millionen Passagiere pro Jahr, der 17er schon mit der heutigen Linienführung 2,5 Millionen.

Es soll hier aber nicht Unter- gegen Oberbaselbiet ausgespielt werden. Genau das tun aber die Gegner, wenn sie mit Verweis auf den öV-Abbau im Oberbaselbiet und Laufental den Margarethenstich bekämpfen. Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen: Stimmen die Oberbaselbieter aus fehlgeleitenden Konkurrenzgefühlen gegen den Margarethenstich, könnte sich das bereits am 26. November rächen. Die Unterbaselbieter würden dann wohl wenig Lust haben, die gefährdete S-Bahnlinie 9 – das Läufelfingerli – zu retten.