Kürzlich habe ich das Treiben auf einer Baustelle beobachtet. Zwei Leute waren am Werk. Sie verschoben Geleise und waren sich uneinig. Es hatte entweder mit der Streckenführung oder mit der Aufgabenteilung zu tun, so genau bekam ich es nicht mit, weil mich mein ältestes Kind ablenkte.

Plötzlich wurde auf der Baustelle laut geflucht. «Gopferdelli!», rief einer aus. Es war der Kleinere, mit italienischem Rufnamen. Die Art, wie er «Gopferdelli» sagte, wirkte zwar charmant, und natürlich bin ich mir bewusst, dass bei Kraftakten auch Kraftausdrücke fallen. Doch weil ich mit Kindern unterwegs war, erlaubte ich mir einen Zwischenruf: «Gopferdelli sagt man nicht!»

Auf der Baustelle hielten sie inne.

Sie denken nun sicher, dass mein Einwand mit Gelächter quittiert wurde. Weit gefehlt. Der kleinere Arbeiter fühlte sich provoziert. Er kam auf mich zu und sagte trotzig: «Doch, das sage ich!» Ich war verdutzt ob dieser Konfrontation. «Das sagt man nicht», wiederholte ich und suchte nach Argumenten. War gar nicht so leicht, denn ich realisierte – gopferdelli! –, dass mir dieses Fluchwort auch selber mal rausrutscht. Und ich arbeite in einem geheizten Büro, nicht auf einer Baustelle!

Ich versuchte zu deeskalieren und doch Haltung zu zeigen. «‹Gopferdelli› ist ein Fluchwort, das gehört sich einfach nicht», sagte ich. Es half nichts. Der Arbeiter fuchtelte mit den Händen, rang nach Worten und rief: «Du bisch nümm min Fründ!» Das kam so überraschend, dass ich laut lachen musste, was ihn nur noch mehr verärgerte.

Erst Stunden später, als ich ihm den Gutenacht-Schoppen übergab, war der kleine Racker bereit, sich mit mir zu versöhnen. Was soll ich sagen? Das Leben mit Kindern ist immer eine Baustelle!