Als langjährige Pendlerin stehe ich regelmässig vor einem Problem. Mal abgesehen davon, dass es den stillen Örtchen im Zug oft an Sauberkeit mangelt, habe ich generell nur wenig Lust, meinen hart erkämpften Sitzplatz aufzugeben, um mich vor den Augen der versammelten Stosszeiten-Pendlergemeinschaft auf die Reise zur Zugtoilette zu begeben.

Am Bahnhof SBB angekommen, scheint das Ziel endlich in greifbarer Nähe. Nach einem kurzen Griff in beide Hosentaschen dann der Schock: Für einen Besuch im McClean fehlt mir das nötige Bare. Egal, die Packung Kaugummi am Kiosk erscheint mir ohnehin als bessere Investition. Da hab ich wenigstens was davon. So hetze ich dann mit meiner mittlerweile fast platzenden Blase entweder zur Uni oder ins Büro, wo mein Leiden endlich ein Ende findet.

Entschliesse ich mich trotz meines jedes Mal aufs Neue gezogenen Fazits «Das mach ich nie wieder!» dazu, am Samstagnachmittag in den Einkaufskrieg der Innenstadt zu ziehen, stehe ich irgendwann wieder vor dem WC-Problem. Bin ich dann beispielsweise gerade in der Freien Strasse oder auf dem Marktplatz, bleibt mir wohl oder übel keine andere Wahl, als die Odyssee zur öffentlichen Toilette am Barfi auf mich zu nehmen oder mich wie ein paranoider Verbrecher auf das Restaurant-WC eines Warenhauses zu schleichen.

Ich entscheide mich für Letzteres. Die Rolltreppe ist zu langsam — zwei Stufen auf einmal erklimmend bewege ich mich auf das Objekt meiner Begierde zu. Türe auf und rein in die Kabine. Als ich mich endlich auf meinem Thron niederlasse, höre ich zwei Stimmen von jenseits der Kabinenwände: «Wie läuft eigentlich deine Sommerdiät?» – «Frag nicht. Ich muss unbedingt mehr trinken.»