Die Klima-Demonstrantinnen und -Demonstranten haben sich auf ein gemeinsames Ziel geeinigt: Die Parlamente sollen den «Klimanotstand» ausrufen. Die Wortwahl ist etwas unglücklich, seit der oberste Klimaleugner in seinem Land den «nationalen Notstand» proklamiert hat, weil ein paar Tausend Flüchtlinge aus Mexiko einwandern möchten. Aber die Schülerinnen und Schüler waren zuerst da. Und sie haben auch recht. Doch was wären die Konsequenzen eines solchen «Klimanotstands»?

Viele, die ich befragt habe, wähnen den letzten Notstand der Schweiz in tiefster Vergangenheit. War es vielleicht der Landesstreik von 1918, wie einer der Befragten meinte? Oder der Zweite Weltkrieg, wie eine Bekannte mutmasste? Nein, es ist erst zehn Jahre her, dass der Bundesrat am Parlament und am Volk vorbei regierte und über Nacht 63 Milliarden Franken in die Rettung der UBS steckte.

Eine konkrete Umweltforderung könnte somit lauten: Der Bundesrat soll den «Klimanotstand» ausrufen und in eigener Kompetenz sofort 63 Milliarden Franken in den Klimaschutz, einen «Green New Deal» für die Schweiz, investieren. Bestimmt wäre der Zusammenbruch der grössten Bank für den Finanzplatz ein Unglück gewesen. Rückblickend wäre das aber nur ein laues Lüftchen im Vergleich zum Sturm, den die Erderhitzung ohne rasche Gegenwehr in allen Lebensbereichen entfesseln wird. Mit Dürren, Unwettern, Murgängen und Überschwemmungen, Ernteausfällen und Hungersnöten, Flüchtlingselend und noch mehr rechtsextremer Reaktion wäre zu rechnen. Wir haben also allen Grund, den «Klimanotstand» ernster zu nehmen als den – glücklicherweise – abgewendeten Zusammenbruch der UBS.

FDP-Präsidentin Petra Gössi hat bereits reagiert – wenigstens zum Schein. Wer sagt uns, dass sie ihre spektakuläre klimapolitische Kehrtwende nach den Wahlen nicht ebenso rasch wieder rückgängig macht? Nur ein Ausgabenprogramm über 63 Milliarden Franken für erneuerbare Energie, öffentlichen Verkehr, Fahrrad-Förderung, Gebäudesanierungen und CO2-Reduktion in der Industrie würde ihre Wendehals-Politik zur glaubwürdigen Strategie mutieren lassen. Unter der Bedingung, dass ein solcher Notstands-Beschluss vor den Wahlen in Kraft tritt.

Basel könnte mit gutem Beispiel vorangehen. Wir haben schon seit Jahrzehnten eine klimafreundliche Gesetzgebung. Eine rot-grüne Regierung müssen wir auch nicht mehr wählen. Und mit der FDP, die den richtigen Knopf drückt, ergäbe sich sogar im Grossen Rat eine solide Mehrheit. Unser Beitrag an einen «Green New Deal», zum Beispiel mit der flächendeckenden Installation von Solardächern, könnte den Bund zu noch grösseren Taten inspirieren.

Kantonal müssten es nicht 63 Milliarden sein, sondern gemäss Bevölkerungsanteil in der Schweiz «nur» 1,5 Milliarden über die nächsten fünf Jahre. Das können wir uns leisten. Ein «Green New Deal» schafft Arbeitsplätze in den zukunftsfähigsten Berufen und spart Importe, vor allem von russischem Erdgas. Dieses macht heute immer noch 70 Prozent der Energie aus, die unsere «vorbildlichen» Industriellen Werke IWB verkaufen. Es gibt viel zu tun – wir schaffen das.

* Zum Autor: Der in Liestal aufgewachsene und in Basel lebende Autor Daniel Wiener ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.