Das Präsidialdepartement (PD) zu Basel-Stadt hat ein Problem: die Kommunikation. Nicht jene Art von Kommunikation, die eine Heerschar von Pressesprechern benötigt, die so viel Schaum schlagen, bis die eigentliche Information kaum mehr zu entdecken ist. Sondern jene, die tut, was das Wort verspricht: die Übertragung von Nachrichten von einem Sender an einen oder mehrere Empfänger. Und das nüchtern, sachlich und vor allem wahrheitsgetreu und ungeschönt. Stattdessen hält man Informationen zurück, gibt sich taktischen Überlegungen hin und agiert meist defensiv.

Jüngstes Beispiel ist die Betriebsanalyse, der das Kunstmuseum unterzogen wurde. Sie ist längst fertiggestellt und hätte ursprünglich im März veröffentlicht werden sollen. Dann hiess es Juni. Nun wird es Spätherbst. Offizielle Begründung: Man wolle sie rechtzeitig zur Diskussion des nächstjährigen Kantonsbudgets dem Grossen Rat überreichen. Was nicht gesagt wurde: Zuvor befasst sich das Parlament mit dem Neubau des Naturhistorischen Museums sowie des Staatsarchivs beim Bahnhof St. Johann. Das Projekt ist stark umstritten. Querelen und Unstimmigkeiten gab es unter anderem bei der Frage, wie der Berri-Bau, das bisherige Heim der riesigen Sammlung, künftig verwendet werden soll. Probleme mit der Statik, Vibrationen durch den Schiffsverkehr, sehr aufwendige Sanierungsarbeiten, unklare Kostenfolgen. All das wurde so nie kommuniziert, sondern musste von den Medien aufgedeckt werden, die dafür ziemlich Prügel einstecken mussten.

Der Mantel des Schweigens

Statt in die Offensive zu gehen, hüllte sich das PD lieber in den Mantel des Schweigens. So auch jetzt. Alle wissen mittlerweile, dass die Betriebskosten für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums bis weit nach der Volksabstimmung falsch berechnet worden waren, weil man die Besuchereinnahmen geradezu fahrlässig hoch angesetzt hatte. Ein eigentlicher Skandal, den der damalige Regierungspräsident Guy Morin und der Kulturchef Philippe Bischof zu verantworten haben. Man wollte den Bau. Unbedingt. Zumal für die Hardware viele Gönner-Millionen zugesichert waren, sofern die Realisierung innerhalb einer bestimmten Zeit erfolgt. Dass Betrieb und Unterhalt den Steuerzahler teuer zu stehen kommen, wurde verschwiegen. Bis Josef Helfenstein kam. Der neue Museumsdirektor rechnete nach und schlug Alarm. Weil er beim PD, mittlerweile von Elisabeth Ackermann geführt, auflief, tat er es öffentlich. Die Geschichte endete vorerst damit, dass der Grosse Rat einen Nachtragskredit bewilligen «durfte».

Und endlich handelte Ackermann. Sie ordnete im Zuge der um Jahre überfälligen, aber dafür eher dürftigen Museumsstrategie Betriebsanalysen für alle staatliche Museen an. Ein Lichtblick! Endlich Transparenz! Fertig mit geschönten Besucherzahlen und nicht ausgewiesenen Kosten. Fertig mit dem geschönten Bild über den Zustand von Gebäuden, wie der Barfüsserkirche, in der das Historische Museum untergebracht ist. Fertig mit dem Unterschlagen dringender Investitionen in moderne Ausstellungsdidaktik und in die Sanierung maroder Archiv- und Lagerräume. Hatte man gehofft. Denn mit der Herrlichkeit ist es schon vorbei. Jetzt zählt wieder Taktik. Keine schlechten Nachrichten, bevor der Neubau im St. Johann nicht in trockenen Tüchern ist. Der Ärger zahlreicher Grossrätinnen und Grossräte querbeet durch die Parteien ist verständlich (siehe Seite 27). Ackermann zerschlägt, was sie nach harzigem Start eben erst aufzubauen begonnen hat: Vertrauen.

Positiv-Beispiel Kaserne

Dass es auch anders geht, zeigt der Umbau der Kaserne. Auch dort wurde unter Morin schöngerechnet, bis die Bilanz aufging, um das 40-Millionen-Projekt durch die Volksabstimmung zu bekommen. Als die bz publik machte, dass die Betriebsrechnung so kaum aufgehen kann, erntete sie erst massive Kritik, bevor sich das PD doch nochmals über die Zahlen beugte. Und siehe da, das Eingeständnis folgte in Form neuer Berechnungen, die kürzlich vorgestellt wurden. Ob diese Annahmen zu unter anderem Mietzinseinnahmen auch wirklich eintreffen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Schliesslich ist das auch eine Frage der Marktlage. Aber es ist Realismus und Offenheit eingekehrt.

Basel ist stolz auf seine kulturellen Institutionen, die weit über die Landesgrenzen hinausstrahlen. Aber die Frage, ob und was man sich überhaupt leisten kann, wird nicht gestellt. Jedenfalls nicht von jener Person, die sie Kraft ihres Amtes stellen müsste: der Regierungspräsidentin. Ackermann hatte die grosse Chance, das Vermächtnis ihres Vorgängers unbelastet auf den Prüfstand zu stellen. Sie hat es nicht getan. Zumindest nicht mit der nötigen Konsequenz. Das Resultat ist ein wachsendes Misstrauen in der Politik und in der Bevölkerung. Und Museumsdirektoren, die sich nicht ernst genommen oder gar kujoniert fühlen. Das ist keine gute Ausgangslage für die Zukunft der Kulturstadt Basel.