Frühling liegt in der Luft. Es spriessen Blüemli, Knospen und Detox-Sonderausgaben am Kiosk im Gestell mit den rotgelben Heftli für die intellektuell anspruchsvolle Dame. «Detoxen» ist dasselbe wie «entschlacken» oder «entgiften». Einfach auf wissenschaftlich.

Frauen mögen Wissenschaft. Schliesslich empfehlen acht von zehn Frauen den «bodytonic Anti-Cellulite-Roll-On», denn er glättet nicht nur Problem-«zonen», sondern «reduziert» in nur sieben Komma neun Tagen die «Silhoutte» um sechs Komma zwei Prozent, und selbst ein einfacher «#1* Mascara Colossal 100% Black Volume Express» ist voll mit Collagen-«formeln» und «Wirkstoffkomplexen» für elfundzwanzig Prozent mehr «Volumen» beim Wimpernklimpern, ja, Frauen mögen Wissenschaft. Darum entschlacken sie nicht, sie detoxen.

Mir ist das recht. Auf dem Appenzeller Purehämetli meiner Eltern war im Frühling immer der Bschüttikasten voll, und «Schlacke» erinnert mich an das, was dann hinten aus Vaters Bschüttifass auf die durstigen Wiesen hinausspritzte: Smoothie. Grün mit kräftiger brauner Note, dank der Überwinterung unter dem Kuhstall. Mein Vater sah auf seinem Traktor nie aus wie eine Dame, er roch auch nicht so, die Silhouetten in seinem Gesicht stammten nicht vom Mascara und was detoxen ist, wusste er sowieso nicht.

Die Entschlackerinnen vermeiden den Begriff entschlacken auch deshalb, weil dann niemand auf die Idee kommt, zu fragen, was denn «Schlacke» sei. Das wissen die Detoxkolleginnen nämlich selber nicht. Sie haben keine Ahnung, welche Organe warum welche Gifte wie speichern und wie sie rausgeschwemmt werden sollen. Mediziner rümpfen bei solcher Wort-Bschütti eh die Nase.

Ich wüsste schon ein paar Umweltgifte. Naivität, Dummheit oder Eitelkeit zum Beispiel. Die kommen vor in Detox-Heftli und Detox-Blogs für die anspruchsvolle Dame. Bei einer Überdosis bekommt ihr gesunder Menschenverstand Fieber und alsogleich sucht sie im Keller den Smoothie-Mixer, den sie letztes Jahr nach viermaligem Gebrauch genauso stillgelegt hat wie Brotbackmaschine, Waffeleisen und Joghurtbrüter. Sie findet ihn, gräbt ihn aus wie weiland mein Vater sein Bschüttifass, und hoppdebäse mit dem Frühling. Nur ich lasse das Detoxen bleiben. Ich esse dafür die Schoggihasen im Haus. Wegen der zartschmelzenden Wirkstoffkomplexe für eine sichtbare Entschlankung meiner Silhouette.

Gestern hat allerdings meine Jüngste meine Klischees durcheinandergebracht. Ich fragte sie, woran sie beim Begriff «detox» denke. Und sie so: «Eigentlich Körper entgiften oder so was. Aber bei uns im Gymi meint man mit detoxen, für längere Zeit das Handy abzustellen.»

Wow. Frühling 2.0.