Pro: Mit fairen und umweltfreundlichen Lebensmitteln gewinnen alle

Alle Menschen sollen anständig produzierte Lebensmittel von guter Qualität zur Verfügung haben. Deshalb ist es zynisch, wenn ausgerechnet Economiesuisse und die Profiteure der Massenfleischimporte nun die Menschen mit kleinem Budget vorschieben, um weiterhin Fleisch aus tierquälerischer Produktion und mit Hormonen und Antibiotika gedopte Lebensmittel in die Schweiz zu holen. Economiesuisse mit den bürgerlichen Parteien im Schlepptau sollten besser bei den hohen Mieten und Krankenkassenprämien ansetzen. Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter in Gemüse- und Früchteplantagen in Südeuropa, Tierfabriken mit enormem Tierleid in der EU, Umweltzerstörung und verarmte Bauernfamilien haben nichts mit bedürftigen Menschen in der Schweiz zu tun, sondern sind die Folgen von Profitgier und falscher Agrarpolitik.

Lebensmittel sind heute für Importeure und Handel ein höchst lukratives Geschäft. Das zeigten die Bodenhaltungs-Importeier aus Holland, die millionenfach importiert werden: Der Produzent bekommt für ein Ei 6 bis 8 Rappen. Im Schweizer Laden wird es zu 24 bis 33 Rappen pro Stück verkauft. Für das Masthähnchen aus Deutschland erhält der Mäster knapp 2 Franken pro Huhn. In der Schweiz wird das gleiche Pouletbrüstli dann für 18 bis 20 Franken pro Kilogramm angeboten.

Bei diesen extrem hohen Margen ist die Forderung der Fair-Food Initiative nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Tierschutz nicht nur mach-und zahlbar, sondern führt zu mehr Qualität und Lebensmittelsicherheit für die Konsumentinnen und Konsumenten. Eine bessere Deklaration von Herkunft und Produktionsbedingungen bringt mehr Transparenz und somit Wahlfreiheit. Dabei ist die Einhaltung internationaler Verpflichtungen und Handelsverträge das erklärte Ziel des breiten Abstimmungskomitees. Eine merkwürdige Rolle spielt hier leider der orange Riese, der zwar seinen Kunden mit Generation M Nachhaltigkeit bis 2020 verspricht, nun aber mit allen Mitteln die Fair-Food Initiative bekämpft, die mehr Fairness und Qualität in der ganzen Lebensmittelbranche fördern will.

Die Fair-Food-Initiative will nicht mehr, sondern bessere Regeln. Sie baut auf dem bewährten Steuerungs- und Kontrollsystem im Lebensmittelbereich auf. Dieses existiert schon. Es fehlt aber der Anreiz für Qualität und Nachhaltigkeit. Nach der Veröffentlichung des Avenir-Suisse-Berichtes vergangene Woche wird hoffentlich allen klar, wohin sonst die Reise gehen soll: Die grossen Wirtschaftsverbände wollen Freihandel ohne jeglichen ökologischen oder sozialen Kriterien durchsetzen und die bäuerliche Landwirtschaft in der Schweiz den Profiten der Lebensmittelindustrie und –importeure opfern. Jede Stimme für Fair-Food ist deshalb eine Stimme gegen industrielle Massentierhaltungen, zweifelhafte Billig-Importe und schrankenlosem Freihandel auf Kosten von Mensch, Tier, Umwelt und Klima. Und jede Stimme für Fair-Food ist eine Stimme für eine nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft, mehr Tierschutz und fairen Handel.

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Kontra: Noch teurere Lebensmittel belasten den Mittelstand

Nein, ich möchte weder Eier aus industrieller Massentierhaltung kaufen, noch frische Erdbeeren im tiefsten Winter geniessen. Ich möchte auch kein Fleisch aus dem Ausland in meinem Einkaufswagen und überhaupt esse ich seit 25 Jahren kein Fleisch mehr. Weil ich selber entscheide, was ich kaufen und konsumieren möchte. Und weil ich davon überzeugt bin, dass wir Konsumentinnen und Konsumenten mit unserem Kaufverhalten einen Einfluss darauf haben, was, wie und in welchen Mengen produziert wird. Ich bin froh, können wir uns heute dank den klaren Produktdeklarationen und Labels besser informieren und Konsumentscheide so treffen, wie wir es für richtig halten und wie es unser Budget ermöglicht. Die entsprechenden Produkte-Deklarationspflichten sind in der landwirtschaftlichen Deklarationsverordnung festgehalten.

Gerade bei Produkten, die nicht nach Schweizer Standards hergestellt wurden, kann der Bundesrat verlangen, dass sie besonders gekennzeichnet sind. Es können bei solchen Produkten auch die Einfuhrzölle erhöht oder der Import verboten werden. Zudem hat das Parlament im Lebensmittelgesetz zahlreiche Deklarationspflichten festgelegt wie etwa die Pflicht zur Angabe des Produktionslandes. Es gibt sogar das Konsumenteninformationsgesetz, das ermöglicht, dass Wirtschafts- und Konsumentenorganisationen weitere Produktedeklarationen vereinbaren können. Wir Konsumentinnen haben damit neben dem Kaufpreis die Grundlagen, die wir benötigen, um gute, ressourcenschonende, faire, tiergerechte Kaufentscheide zu treffen – aus eigenem Willen.

Definitiv zu weit geht mir aber die Fair-Food-Initiative. Für unsere einheimische Produktion gelten hohe Anforderungen. Die Initiative verlangt nun, dass die Schweizer Standards auch für importierte Lebensmittel gelten. Die Initianten vergessen dabei erstens die Umsetzbarkeit, zweitens die damit einhergehende Einschränkung des Angebots in der Schweiz und drittens die Zunahme des Einkauftourismus. Bei der Umsetzbarkeit stellt sich die Frage, wie sehr sich die Produktpreise alleine durch die neu einzuführenden Kontrollen und Zollhürden verteuern würden. Die Einschränkung des Angebots über die bestehenden und von mir unterstützten Vorschriften hinaus bedeutet eine Bevormundung von uns allen.

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass die von den Initianten gewünschte Wirkung, dass wir noch nachhaltiger, ressourcenschonender, fairer und tiergerechter einkaufen, nicht eintreffen wird. Wenn unsere Nahrungsmittel noch teurer werden, wird der Mittelstand noch stärker belastet. Entsprechend nehmen am Wochenende mehr Leute den portemonnaie-schonenden Weg ins grenznahe Ausland auf sich. Gerade in unserer Region. Damit erreichen die Initianten keines ihrer Ziele. Weder weniger Verkehr noch dass tiergerechtere, ressourcenschonendere Produkte gekauft werden.

Weil ich möchte, dass die Konsumenten in der Schweiz selber entscheiden können, was sie einkaufen und weil ich nicht möchte, dass unsere Lebensmittel immer noch teurer werden, sage ich am 23. September Nein zur Fair-Food-Initiative.