Es ist noch gar nicht lange her: 1965 gab es im 5000-Einwohner-Städtchen Zell im Wiesental sage und schreibe 2200 Jobs in der Textilindustrie. Im gesamten Landkreis Lörrach waren es 20 000, und das ohne die Zuliefererindustrie. Heute ist davon so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Unsere Hemden und T-Shirts kommen meist aus Asien.

Das Wiesentäler Textilmuseum in Zell sorgt seit 1996 dafür, dass die Erinnerung an diesen Teil der regionalen Geschichte nicht verloren geht. Zu ihren Ausstellungsstücken gehören mechanische Webstühle, Spinn- und Färbereimaschinen und natürlich auch Handwebstühle. Bis zu fünfzehn der Maschinen sind betriebsbereit und werden während den Führungen angestellt.

Andreas Müller ist seit Anfang dabei und für die historischen Erklärungen zuständig. Der pensionierte Finanzbeamte arbeitet wie alle ehrenamtlich im Museum. Es befindet sich in den Shed-Hallen der ehemaligen Zell-Schönau AG, auch bekannt als Irisette.

Ein grosser Erfolg war die Erfindung von farbiger Bettwäsche, eine Idee der Frau des Direktors Georg Färber. «Bis 1953 war sie in Europa nur weiss. Die Nachfrage war so gross, dass die Lieferzeit zeitweise achtzehn Monate betrug», erklärt Müller. Die Firma stellte auch hochwertigen Damast-Stoff her. Färber war es wichtig, sämtliche Schritte der Textilproduktion abzudecken.

Die Industrialisierung wurde auch mit Basler Geld der Familien Geigy, Sarasin, Iselin und Merian ermöglicht. Hatte es seit dem Mittelalter in der Region keine Zollgrenzen gegeben, trat Baden 1836 dem Deutschen Zollverein bei. Durch ihre Investitionen verschafften sich die Basler Unternehmer den Zugang zum deutschen Markt, zu billigen Arbeitskräften und zur Wasserkraft der Wiese.

Auch der Bau der Wiesentalbahn wurde durch private Gelder ermöglicht. Ein Zuckerschlecken war der Beruf des Webers nie. Als Frühkapitalismus pur bezeichnet Müller ihn. Die Arbeitstage dauerten elf bis fünfzehn Stunden. Wegen der schlechten Löhne mussten Frauen und auch Kinder ab neun Jahren in die Fabriken. In einem Register von 1892 sind die Strafen für Schwätzereien und andere Vergehen aufgeführt.

Das Textilmuseum hat gute Beziehungen nach Basel. Schulklassen kommen für Führungen, die Zunft zu Webern mit neu aufgenommenen Mitgliedern und Fasnachtscliquen lassen sich «Bändel für Orden» machen, wie Müller das nennt. Auch am Bummelsonntag bekommt Zell Besuch aus Basel.

Textilmuseum, Teichstrasse 4, in der Nähe vom Bahnhof, mit der S-Bahn erreichbar. 1.3. bis 30.11, Di 14–17 Uhr, Sa,So 10–12 Uhr oder nach Vereinbarung.