Ich bin ein Landei. Und als solches bin ich umgeben von Autohaltern mit Vierradantrieb. Von deren Karossen bringen viele gut und gerne zwei Tonnen oder mehr auf die Waage und kosten auch entsprechend. Dazu kommt noch das hohe Benzingeld, das die Halter zu berappen haben.

Gerade jetzt, wenn sich ab und zu ein Schneeschleier über die Landschaft legt, überkommt mich Mitleid mit diesen Autofahrern. Eigentlich wäre jetzt ihre Hoch-Zeit. Denn wo anders als auf Schnee können sie ihre automobile Überlegenheit noch ausspielen?

Unser Strassennetz ist zugeteert, es existiert kaum noch ein befahrbarer gemergelter Feldweg. Und im Wald, wo es Naturwege gibt, gilt ein allgemeines Fahrverbot. Bleiben also Schnee und Eis, um sich mit einem Offroader ausleben zu können.

Doch für deren Besitzer endet bei Schneefall zumindest in meinem Dorf bereits morgens um fünf Uhr der Traum vom letzten automobilen Abenteuer. Denn draussen beginnen unüberhörbar Schneeräumer samt integriertem Salzstreuer, die weisse Pracht auf Haupt- und Quartierstrassen zu beseitigen. Und wenn es für die Pendler endlich an die Arbeit geht, liegen die Strassen in der Regel in ihrem nackten Schwarz vor den Rädern der Offroader.

Interessanterweise sind aber die Trottoirs zu diesem Zeitpunkt noch weiss, obwohl dort mit Ausnahme von Hunden keine Vierfüssler zirkulieren. Deshalb investiere ich mein eingespartes Benzingeld – ich besitze nur ein Auto mit Zweiradantrieb – in gute Schuhe, damit ich heil den Bus erreiche. Und es kommen mir die Zeiten meiner Kindheit in den Sinn, als nicht nur die Trottoirs, sondern auch die Strassen oft tagelang schneebedeckt waren, obwohl es damals keine Autos mit Vierradantrieb gab. Das soll noch jemand verstehen.