Wenn ich auf die allermeisten meiner Basler Freunde, Kollegen und Bekannten höre, ist das auch besser so. Es gab da schon entsetzte Reaktionen, wenn ich herumgefragt habe, ob ich Dialekt lernen soll. Kommt hinzu, dass ich als Zugezogener aus dem Norden Deutschlands nicht auf dem badischen Alemannisch aufbauen kann. Dabei verstehe ich normalerweise alles; meine frühere Basler Partnerin hat zwölf Jahre lang Baseldeutsch mit mir gesprochen. 

Die Schweizer reagieren unterschiedlich auf mich: Manche schwenken automatisch vom Dialekt auf Hochdeutsch um, wenn sie mit mir reden. Einige sagen sogar, das würde ihnen ganz guttun. Ich bin dann also ihr Hochdeutsch-Sparringpartner. Andere bleiben beim Dialekt. Und dann gibt es noch diejenigen, die im Laufe des Gesprächs umstellen. Warum, habe ich bisher nicht ergründen können.

Meine fehlenden Baseldeutsch-Kenntnisse haben mir beruflich schon geschadet. Als ich mich vor vier Jahren neu orientiert habe, interessierte ich mich für einen Job bei Radio und Fernsehen. Ich hätte gerne ab und zu für ein anderes Medium als Zeitungen gearbeitet. Wenn da nicht mein Hochdeutsch wäre. Ohne Schweizerdeutsch oder noch besser Baseldeutsch war weder beim «SRF Regionaljournal Basel» noch bei «Telebasel» etwas zu machen. Damals habe ich das letzte Mal daran gedacht, vielleicht doch Baseldeutsch zu lernen.

Mit meinem lupenreinen Hochdeutsch fühle ich mich manchmal auch etwas steif und fremd in Basel. Ich integriere mich gerne. Das war auch in den vielen Jahren meines Aufenthalts in Frankreich so und wäre wohl auch in anderen westlichen Ländern in Europa, oder Nordamerika ähnlich. Ob es auch in Afrika oder Asien funktionieren würde, bezweifle ich. Auf jeden Fall spielt die Sprache bei der Integration eine wichtige Rolle. Zu Zeiten, als ich in Frankreich gearbeitet und gelebt habe und auch die meisten meiner Freunde Franzosen waren, ist mein Französisch so gut gewesen, dass ich oft nicht mehr als Ausländer erkannt wurde. 

Das schönste Kompliment erhielt ich in Paris. Wir warteten im Gare de l’Est im Zug auf die Abfahrt nach Strassburg und ich habe mich eine gute Viertelstunde mit einem französischen Mitreisenden über Gott und die Welt unterhalten. Als ich danach den «Spiegel» aus meinem Gepäck holte, sagte mein Nachbar bewundernd: «So gut können Sie Deutsch, dass Sie das verstehen!»

Aber sobald es um den Dialekt geht, hilft mir meine Sprachbegabung nicht weiter. Ich habe auch eine These dazu. Vielleicht klappt das Baseldeutschlernen deshalb nicht, weil der Dialekt deutsche Wurzeln hat und mich das hemmt. Ich habe auch nie Plattdeutsch gelernt. Weil meine Mutter aus Sachsen kam, haben wir zu Hause immer Hochdeutsch geredet, und mein Vater hat seinen Dialekt nur auswärts gepflegt. Ich fand das immer schade.