Dies ist ein Werbespot. Wenn ich einer dieser Instagram-Influencer wäre, würde ich eventuell reich damit. Doch ich habe schon Lohn. Es ist nicht der schnöde Mammon, der zur dringlichen Empfehlung führt, doch wieder einmal Olten zu besuchen. Aber nicht wegen des Bahnhofbuffets und auch nicht wegen der schmucken Altstadt oder Alex Capus’ Beiz. Sondern wegen Karl’s kühner Gassenschau. Was die Truppe im «Sektor 1», so der Name des Stücks, aufführt, ist schlicht und einfach Weltklasse. Ebenso präzis choreografiert wie der Cirque du Soleil ist die Inszenierung. Aber statt auf Hochglanz poliert, versprüht die Gassenschau noch immer jenen chaotischen Charme der Improvisation, der sie seit ihren Anfängen in den Achtzigerjahren auszeichnet, als sie zum Beispiel auf dem Basler Marktplatz für Furore
sorgte.

Die Bühne mit all den fauchenden und zischenden Maschinen und überraschenden Effekten ist atemberaubend. Stets bleibt eine Restspannung, ob auch alles hält und nicht etwa ein Teil bricht und einen der Schauspieler verletzt. Diese zeigen ohnehin eine Parforceleistung und zeigen allabendlich waghalsige Stunts. Doch wie immer bei Karl’s kühner Gassenschau gehören zum Spektakel auch leise Töne und eine sozialkritische Rahmenhandlung. Viel sei nicht verraten, aber es geht grob darum, wie die Menschheit nach dem Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn» das Abfallproblem gelöst und das Paradies wieder hergestellt hat. Vermeintlich.

Doch überzeugen Sie sich selbst. Bis Ende September hält die Gassenschau den aufwendigen Betrieb am Laufen. Auch wenn die kulturelle Agenda in Basel und Umgebung derzeit prallvoll ist, dieser kleine Seitensprung lohnt die Sünde.